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Lernskript

Psycho... logisch!

EinfĂŒhrung in die Grundlagen der Psychologie – Lernskript fĂŒr die AufnahmeprĂŒfung Bachelor Psychologie 2026

Lernpsychologisch sinnvolle Gesamtzusammenfassung

„Psycho... logisch! EinfĂŒhrung in die Grundlagen der Psychologie"

Lernskript fĂŒr die AufnahmeprĂŒfung Bachelor Psychologie 2026


TEIL 1 – GesamtĂŒberblick & Mentale Landkarte

1. GesamtĂŒberblick ĂŒber das Skript

Das Skript ist eine offizielle Lernunterlage des Fachbereichs Psychologie der UniversitĂ€t Salzburg fĂŒr die BacheloraufnahmeprĂŒfung Psychologie 2026 (gilt fĂŒr Salzburg, Wien, Graz, Innsbruck). Es ist kein Lehrbuchersatz, sondern eine kuratierte EinfĂŒhrung in die wichtigsten klassischen Konzepte der wissenschaftlichen Psychologie.

Das Skript will dir drei Dinge beibringen:

  1. Was Psychologie ist – nĂ€mlich die Wissenschaft vom Erleben und Verhalten des Menschen, inklusive seiner kognitiven Prozesse (Denken, Wahrnehmen, Erinnern, Entscheiden).
  2. Wie Psychologie wissenschaftlich arbeitet – also ihre Geschichte, ihre Methoden, ihre Statistik.
  3. Was die fĂŒnf großen GrundlagenfĂ€cher sagen – Biologische, Allgemeine, Entwicklungs-, Sozial-, sowie Differentielle/Persönlichkeitspsychologie.

Die Denkweise, die du brauchst:

Psychologie betrachtet Verhalten multiperspektivisch. Dasselbe PhĂ€nomen (z. B. Wahrnehmung) wird je nach Teildisziplin anders gefragt: Biologisch fragt „Wie funktioniert das im Gehirn?", Allgemein „Welche Prozesse laufen ab?", Entwicklung „Wie entsteht das?", Sozial „Wie beeinflusst die Situation das?", Differentiell „Wo gibt es individuelle Unterschiede?". Diese Sichtweisen widersprechen sich nicht – sie ergĂ€nzen sich (eklektischer Ansatz). Wer Psychologie versteht, sieht ein PhĂ€nomen aus mehreren Brillen gleichzeitig.

Wie hÀngen die Kapitel logisch zusammen?

  • Kapitel 1 definiert, was Psychologie ist.
  • Kapitel 2 zeigt, wie Psychologie wurde, was sie heute ist (historische Wurzeln).
  • Kapitel 3 klĂ€rt, wie man wissenschaftlich Wissen erzeugt (Methoden + Statistik). Es ist die methodische Basis fĂŒr alles, was danach kommt.
  • Kapitel 4–8 sind die fĂŒnf GrundlagenfĂ€cher und bauen lose aufeinander auf:
  • Kapitel 4 (Biologie) liefert das körperliche Fundament,
  • Kapitel 5 (Allgemeine) baut darauf auf und behandelt Wahrnehmung, Lernen, GedĂ€chtnis,
  • Kapitel 6 (Entwicklung) zeigt, wie sich diese Prozesse ĂŒber die Lebensspanne entwickeln,
  • Kapitel 7 (Sozial) zeigt, wie das soziale Umfeld auf sie einwirkt,
  • Kapitel 8 (Persönlichkeit/Differentiell) erklĂ€rt individuelle Unterschiede.

Wichtig: Themen wie Wahrnehmung, Lernen, GedĂ€chtnis, Kognition, Verhalten tauchen in mehreren Kapiteln auf – jedes Mal aus einer anderen Perspektive. Diese Querverbindungen sind das HerzstĂŒck des VerstĂ€ndnisses.

Eine wichtige Lernregel: Fußnoten mit Buchstaben (A, B, C...) sind nicht prĂŒfungsrelevant. Fußnoten mit Zahlen (1, 2, 3...) gehören zum Lernstoff.


2. Mentale Landkarte der Psychologie

Was ist Psychologie?

Wissenschaft vom Erleben und Verhalten des Menschen, einschließlich kognitiver Prozesse.

  • Psyche (griech.) = Seele, GemĂŒt
  • Logos (griech.) = Kunde, Wissenschaft
  • → Wörtlich: Seelenkunde

Was untersucht sie?

BereichBeispiel-Fragen
ErlebenWie nehmen wir wahr? Wie fĂŒhlen wir? Was denken wir?
VerhaltenWie handeln Menschen? Warum reagieren sie wie sie reagieren?
KognitionWie funktionieren Aufmerksamkeit, GedÀchtnis, Lernen, Problemlösen?

Die drei großen SĂ€ulen der Psychologie

                  PSYCHOLOGIE
                       |
        ___________________________
       |              |             |
   METHODEN-     GRUNDLAGEN-    ANWENDUNGS-
   FÄCHER         FÄCHER          FÄCHER
       |              |             |
  Ethik          Biologische    PĂ€dagogische
  Methodenlehre  Allgemeine     AOW
  Statistik      Entwicklungs-  Klinische
  Wiss.-Theorie  Sozial-        Gesundheits-
                 Differentielle Diagnostik
                 / Persönlichkeit

Die fĂŒnf GrundlagenfĂ€cher und ihre Leitfrage

GrundlagenfachLeitfrageFokus
BiologischeWie ist ... im Körper/Gehirn verankert?physische Prozesse, Nervensystem
AllgemeineAuf welchen allgemeinen psychischen Prozessen beruht ...?Wahrnehmung, Lernen, GedÀchtnis, Denken (was alle gemeinsam haben)
EntwicklungsWie entwickelt sich ...?VerĂ€nderung ĂŒber die Lebensspanne
SozialWie wird ... vom sozialen Umfeld beeinflusst?situative EinflĂŒsse, Gruppe
Differentielle/PersönlichkeitIst ... bei allen gleich oder gibt es Unterschiede?inter- und intraindividuelle Unterschiede

Methoden- vs. Grundlagen- vs. AnwendungsfÀcher

  • MethodenfĂ€cher = das Werkzeug (Methodenlehre, Statistik, Ethik, Wissenschaftstheorie)
  • GrundlagenfĂ€cher = die Grundlagenforschung (Was ist psychisch wahr?)
  • AnwendungsfĂ€cher = die Praxis (Wie nutzt man das Wissen?): Klinische, PĂ€dagogische, Gesundheits-, AOW-Psychologie, Psychologische Diagnostik

Idealerweise folgen Grundlagen- und AnwendungsfĂ€cher einem Zwei-Stufen-Modell: Grundlagenforschung erzeugt Wissen → Anwendung nutzt es praktisch. Aber auch AnwendungsfĂ€cher forschen (z. B. Therapieevaluation).

Warum ĂŒberschneiden sich Themen?

Die Aufteilung in GrundlagenfĂ€cher ist kĂŒnstlich. Ein PhĂ€nomen wie Wahrnehmung lĂ€sst sich nicht in eine Schublade stecken:

  • Biologisch: Wie funktionieren Auge und visueller Cortex?
  • Allgemein: Was sind die Grundprinzipien der Wahrnehmung?
  • Entwicklung: Wie lernen Kinder, Tiefe wahrzunehmen?
  • Sozial: Beeinflusst die Anwesenheit anderer die Wahrnehmung?
  • Differentiell: Nehmen extrovertierte und introvertierte Personen unterschiedlich wahr?

→ Deshalb ist vernetztes Denken der SchlĂŒssel zum Psychologie-VerstĂ€ndnis.

Ziele der Psychologie (Kapitel 1.4)

Die Wissenschaft Psychologie verfolgt vier Ziele: Erleben und Verhalten beschreiben → erklĂ€ren → vorhersagen → verĂ€ndern.

  • Beschreiben = objektiv Ist-Zustand erfassen (Datenerhebung: Beobachtung, Befragung, Test, Experiment)
  • ErklĂ€ren = nach Ursachen suchen → dispositionale (zeitlich stabile Personenmerkmale: Gene, Persönlichkeit, FĂ€higkeiten) vs. situative (Umweltfaktoren) Faktoren
  • Vorhersagen = wahrscheinliches Verhalten antizipieren
  • VerĂ€ndern = z. B. in der Therapie (immer ethisch, immer mit Behandlungsauftrag)

Ethische Prinzipien (APA, 5 GrundsÀtze)

  1. WohltÀtigkeit und Nicht-Schaden
  2. LoyalitÀt und Verantwortung
  3. IntegritÀt (kein Betrug, keine TÀuschung)
  4. Gerechtigkeit
  5. Respekt fĂŒr WĂŒrde und Rechte von Personen

TEIL 2 – Kapitelweise Zusammenfassung

Kapitel 1: Was ist Psychologie?

A) Worum geht es?

EinfĂŒhrung: Definition, Teildisziplinen, AnsĂ€tze, Ziele und Ethik der Psychologie. Das Fundament fĂŒr alles, was folgt.

B) Die wichtigsten Konzepte

  • Psychologie: Wissenschaft vom Erleben und Verhalten des Menschen, inkl. Kognition (mentale FĂ€higkeiten und Prozesse: Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, GedĂ€chtnis, Schlussfolgern, Denken, Problemlösen).
  • Teildisziplinen: Methoden-, Grundlagen-, AnwendungsfĂ€cher.
  • AnsĂ€tze der Psychologie: psychodynamisch, behavioristisch, humanistisch, kognitiv, biologisch-neurowissenschaftlich. Sie schließen sich nicht aus → eklektischer Ansatz.
  • Ziele: beschreiben, erklĂ€ren, vorhersagen, verĂ€ndern.
  • Dispositionale vs. situative Faktoren: Dispositional = innerhalb der Person, stabil. Situativ = von der Umwelt einwirkend.

C) Wichtige AnsÀtze (Schulen) im Kapitel

AnsatzKernideeVertreter (im Skript)
PsychodynamischUnbewusste Prozesse, Kindheitserfahrungen prÀgen VerhaltenSigmund Freud
BehavioristischVerhalten = Reaktion auf Reize; mentale Prozesse werden ausgeblendetJohn Watson
HumanistischMensch strebt nach Selbstverwirklichung; holistischCarl Rogers, Abraham Maslow, Charlotte BĂŒhler
KognitivAufmerksamkeit, Denken, Erinnern – nicht direkt beobachtbar, aber zentral(dominanter Ansatz heute)
Biologisch-neurowissenschaftlichPsychische PhĂ€nomene durch biochemische VorgĂ€nge (Gene, Nervensystem, Hormone)–

D) Zentrale ZusammenhÀnge

  • Die fĂŒnf AnsĂ€tze sind historisch gewachsen (Kapitel 2 erklĂ€rt wie) und heute komplementĂ€r.
  • Die Aufteilung der Psychologie in Teildisziplinen ist Ordnungssystem, kein Naturgesetz – PhĂ€nomene ĂŒberschneiden sich.
  • Aus den AnsĂ€tzen sind auch Therapien entstanden (z. B. Verhaltenstherapie aus dem Behaviorismus, GesprĂ€chspsychotherapie aus dem humanistischen Ansatz).

E) Typische PrĂŒfungslogik

  • Definitionen zuordnen (was ist Kognition? Was sind dispositionale Faktoren?)
  • Beispiele zu AnsĂ€tzen zuordnen ("Diese Therapie analysiert TrĂ€ume" → psychodynamisch)
  • Teildisziplinen unterscheiden (Wahrnehmung wird in Bio/Allg/Sozial unterschiedlich behandelt)
  • Welche Ziele der Psychologie passen zu einer Aussage?
  • Ethische Prinzipien auf Fallbeispiele anwenden

F) Mini-MerksÀtze

  1. Psychologie = Wissenschaft vom Erleben und Verhalten (einschließlich Kognition!).
  2. MethodenfĂ€cher, GrundlagenfĂ€cher, AnwendungsfĂ€cher = drei große Bereiche.
  3. FĂŒnf AnsĂ€tze: psychodynamisch, behavioristisch, humanistisch, kognitiv, biologisch.
  4. Eklektischer Ansatz = mehrere Perspektiven kombiniert.
  5. Vier Ziele: Beschreiben → ErklĂ€ren → Vorhersagen → VerĂ€ndern.
  6. Dispositional = in der Person; situativ = in der Umwelt.
  7. Behandlungsauftrag ist ethische Voraussetzung jeder Intervention.
  8. APA-Prinzipien: WohltÀtigkeit, LoyalitÀt, IntegritÀt, Gerechtigkeit, Respekt.

Kapitel 2: Geschichte der Psychologie

A) Worum geht es?

Wie hat sich Psychologie aus Philosophie, Medizin und Naturwissenschaft zu einer eigenstÀndigen Wissenschaft entwickelt? Welche Schulen und Paradigmen prÀgten ihren Weg?

B) Die wichtigsten Konzepte

  • Paradigma: vorherrschendes Denkmuster, akzeptierte Grundannahmen und Methoden. Bei einem Paradigmenwechsel verschiebt sich das, was als "wahr" gilt.
  • Dualismus (Körper ↔ Seele getrennt) vs. Monismus (eine Substanz).
  • Rationalismus (Vernunft als Erkenntnisquelle) vs. Empirismus (Erfahrung als Erkenntnisquelle) – Hauptkontroverse der AufklĂ€rung.
  • Introspektion: Selbstbeobachtung des eigenen Erlebens.
  • Strukturalismus (Struktur des Geistes) vs. Funktionalismus (Funktion mentaler ZustĂ€nde).

C) Wichtige Personen, Experimente, Theorien, Schulen

Antike & Philosophie

  • Orphiker (~600 v. Chr.): dualistisch, Seele unsterblich, Körper als GefĂ€ngnis der Seele.
  • Platon (427–347 v. Chr.): Dualismus, drei Teilseelen (begehrend, zielstrebig, vernĂŒnftig).
  • Aristoteles (384–322 v. Chr.): Seele und Körper untrennbar; drei Seelen (vegetativ, animalisch, denkend).
  • Theophrast: 30 Charakterskizzen ("der Geizige" etc.).
  • Hippokrates (~460–370 v. Chr.): Vier-SĂ€fte-Lehre.
  • Galen (~129–199): Temperamentenlehre – Sanguiniker (Blut), Phlegmatiker (Schleim), Choleriker (gelbe Galle), Melancholiker (schwarze Galle).

Mittelalter

  • Augustinus (354–430): Körper + Seele zusammengehörig, christlich geprĂ€gt.
  • Thomas von Aquin (1225–1274): Scholastik (Aristoteles + christliche Lehre); drei Seelenarten.

AufklÀrung & wissenschaftliche AnfÀnge

  • RenĂ© Descartes (1596–1650): Rationalismus, "cogito ergo sum", Dualismus, ZirbeldrĂŒse als Verbindung Körper-Geist, mechanistisches Menschenbild.
  • Immanuel Kant: hielt Psychologie nicht fĂŒr mathematisierbar (wurde spĂ€ter widerlegt).
  • Karl Philipp Moritz (1756–1793): erste deutschsprachige psychologische Zeitschrift – Magazin fĂŒr Erfahrungsseelenkunde; Rubriken: Seelennaturkunde, Seelenzeichenkunde, Seelenkrankheitskunde, Seelenheilkunde.

18./19. Jahrhundert – Strömungen

  • Physiognomik (Lavater): Charakter aus GesichtszĂŒgen – heute ĂŒberholt.
  • Phrenologie (Franz Joseph Gall): Hirnfunktionen aus SchĂ€delform ableiten – falsch, aber fĂŒhrte spĂ€ter zur Lokalisationsforschung.
  • Positivismus (Auguste Comte): nur ĂŒberprĂŒfbare Tatsachen gelten als wissenschaftlich.
  • Darwinismus (Charles Darwin, 1809–1882): Evolutionstheorie, "Survival of the Fittest" (best Angepasste, nicht StĂ€rkste).
  • Aufschwung der UniversitĂ€ten (Humboldt-Modell).

Naturwissenschaftliche NeubegrĂŒndung

  • Johann Friedrich Herbart (1776–1841): Psychologie mathematisierbar.
  • Hermann von Helmholtz (1821–1894): Sinnesphysiologie, Nervenleitgeschwindigkeit.
  • Gustav Theodor Fechner (1801–1887): Psychophysik (Beziehung zwischen physischem Reiz und Empfindung).
  • Wilhelm Wundt (1832–1920): BegrĂŒnder der wissenschaftlichen Psychologie, erstes psychologisches Labor 1879 (Leipzig); MitbegrĂŒnder des Strukturalismus; Methoden: Introspektion + Inhaltsanalyse.
  • Wundts SchĂŒler: Cattell (Testpsychologie), KĂŒlpe (WĂŒrzburger Schule), Meumann (PĂ€dagogische Psychologie), MĂŒnsterberg (AOW), Witmer (Klinische Psychologie).
  • Hermann Ebbinghaus (1850–1909): experimentelle GedĂ€chtnisforschung, sinnlose Silben, Vergessenskurve.
  • William James (1842–1910): BegrĂŒnder der amerikanischen Psychologie; Funktionalismus; "I" vs. "Me".
  • Mary Whiton Calkins (1863–1930): erste Frau PrĂ€sidentin der APA (1905).
  • Wilhelm Dilthey (1833–1911): geisteswissenschaftliche, verstehende Psychologie (Hermeneutik) – Gegenposition zur erklĂ€renden, naturwissenschaftlichen Psychologie.
  • Granville Stanley Hall: GrĂŒndung der APA 1892.

Psychologie im Nationalsozialismus

  • Vertreibung jĂŒdischer Psycholog:innen (z. B. Charlotte BĂŒhler, Max Wertheimer, William Stern, Kurt Lewin, Sigmund Freud).
  • Aufstieg der Rassenpsychologie.
  • Wehrmacht: Aufstieg der Psychologischen Diagnostik (Leistungstests).
  • Nach Krieg: Wiederaufbau der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Psychologie (DGP); Österreichische Gesellschaft (ÖGP) 1993.

Ausdifferenzierung in Schulen

  • WĂŒrzburger Schule (Oswald KĂŒlpe): Denkpsychologie, "bildloses Denken" – kritisierte Wundts Atomismus.
  • Gestaltpsychologie: "Das Ganze ist etwas Anderes als die Summe seiner Teile". Vertreter: Max Wertheimer, Wolfgang Köhler, Kurt Koffka, Kurt Lewin. Gestaltgesetze: NĂ€he, Ähnlichkeit, gute Fortsetzung, Geschlossenheit. Kurt Lewin → Feldtheorie: Verhalten = f(Person × Umwelt); Aufforderungscharakter/Valenz.
  • Behaviorismus (USA): BegrĂŒnder John B. Watson (1878–1958); parallel Reflexologie in Russland (Pawlow). Edward Thorndike (Reiz-Reaktions-VerknĂŒpfungen). B. F. Skinner (operante Konditionierung). Black Box (mentale Prozesse ausgeblendet). Clark L. Hull → Neobehaviorismus (Organismusvariable).
  • Tiefenpsychologie: Sigmund Freud (1856–1939) – Psychoanalyse: Es/Ich/Über-Ich, Unbewusstes, Abwehrmechanismen (z. B. VerdrĂ€ngung), Ödipuskomplex. Alfred Adler: Individualpsychologie, Streben nach Macht/GemeinschaftsgefĂŒhl. Anna Freud, Carl Gustav Jung (Analytische Psychologie, kollektives Unbewusstes, Archetypus). Neopsychoanalyse (Karen Horney, Erich Fromm).
  • Kognitive Wende (1970er Jahre): Dominanz des kognitiven Ansatzes. Kybernetik (Steuerungslehre). Donald E. Broadbent: Mensch als Informationsverarbeiter. George A. Miller: TOTE-Modell (Test-Operation-Test-Exit). Konnektionismus (Rumelhart & McClelland, 1986): neuronale Netze.

D) Zentrale ZusammenhÀnge

  • Die Geschichte zeigt eine Kette von Paradigmenwechseln: vom Seelenbegriff ĂŒber Vernunft, Empirie, Strukturalismus, Behaviorismus, Tiefenpsychologie hin zur kognitiven Wende.
  • Viele heutige Theorien haben historische Wurzeln (z. B. Big Five geht auf Galens Temperamente zurĂŒck).
  • Die Spaltung zwischen erklĂ€render (naturwissenschaftlicher) und verstehender (geisteswissenschaftlicher) Psychologie prĂ€gt bis heute Diskussionen.
  • Der Behaviorismus ist methodisch radikal positivistisch: nur Beobachtbares zĂ€hlt.
  • Die kognitive Wende öffnete die Black Box wieder.

E) Typische PrĂŒfungslogik

  • Zuordnen: Person ↔ Schule ↔ Hauptidee (z. B. „Wer prĂ€gte den Strukturalismus?" → Wundt)
  • Begriffspaare unterscheiden: Rationalismus ↔ Empirismus; Dualismus ↔ Monismus; Strukturalismus ↔ Funktionalismus
  • Reihenfolge erkennen: Wer kam vor wem?
  • Was ist ein Paradigmenwechsel? Beispiel finden.
  • Verwechslungsgefahren: Watson (Behaviorismus) ≠ Wundt (Strukturalismus); Adler ≠ Jung ≠ Freud.

F) Mini-MerksÀtze

  1. 1879 = Geburtsstunde der wissenschaftlichen Psychologie (Wundt, Leipzig).
  2. Rationalismus = Vernunft (Descartes); Empirismus = Erfahrung (Locke implicit).
  3. Gestaltpsychologie: "Das Ganze ist etwas Anderes als die Summe seiner Teile."
  4. Behaviorismus: nur beobachtbares Verhalten zĂ€hlt → Black Box.
  5. Freud: Es (Lust) – Ich (RealitĂ€t) – Über-Ich (Moral).
  6. Galens vier Temperamente: Sanguiniker, Phlegmatiker, Choleriker, Melancholiker.
  7. Die kognitive Wende öffnete die Black Box.
  8. Mary Whiton Calkins = erste APA-PrÀsidentin (1905).
  9. NS-Zeit = massiver Aderlass durch Emigration jĂŒdischer Forscher:innen.
  10. Funktionalismus (Funktion) ≠ Strukturalismus (Struktur).

Kapitel 3: Psychologische Forschung und Methodenlehre

A) Worum geht es?

Wie macht man aus Alltagsvermutungen wissenschaftliche Aussagen? Dieses Kapitel erklÀrt Hypothesen, Operationalisierung, Studiendesigns, Experimente und deskriptive Statistik.

B) Die wichtigsten Konzepte

Alltagspsychologie vs. wissenschaftliche Psychologie

  • Alltagspsychologie nutzt Heuristiken (Faustregeln) → fehleranfĂ€llig durch kognitive Verzerrungen.
  • Bekannte Verzerrungen: RĂŒckschaufehler (Hindsight Bias), BestĂ€tigungsfehler (Confirmation Bias).
  • Wissenschaftliche Psychologie nutzt kritisches Denken und wissenschaftliche Methoden.

Vier Standards der Wissenschaftlichkeit (Döring 2023)

  1. Wissenschaftliches Forschungsproblem
  2. Wissenschaftlicher Forschungsprozess
  3. Wissenschafts- und Forschungsethik
  4. Schriftliche Dokumentation

Replikation: direkte vs. konzeptionelle. Replikationskrise: viele Befunde nicht replizierbar.

Theorien und Hypothesen

  • Theorie = Aussagensystem zur ErklĂ€rung
  • Hypothese = prĂ€zise prĂŒfbare Vermutung, abgeleitet aus Theorie
  • Anforderungen an wissenschaftliche Hypothesen:
  • prĂ€zise & widerspruchsfrei
  • prinzipielle Widerlegbarkeit (Popper)
  • Operationalisierbarkeit
  • BegrĂŒndbarkeit
  • Hypothesenarten:
  • Unterschiedshypothesen (gerichtet/ungerichtet)
  • Zusammenhangshypothesen (positiv/negativ gerichtet)
  • VerĂ€nderungshypothesen (mehrere Erhebungszeitpunkte)
  • Kovariation ≠ KausalitĂ€t! FĂŒr Kausalschluss: (1) Kovariation + (2) zeitliche Abfolge + (3) Ausschluss von AlternativerklĂ€rungen.

Operationalisierung & Messung

  • Merkmal: Eigenschaft eines Objekts/einer Person (qualitativ/quantitativ).
  • Variable: operationalisiertes Merkmal.
  • Operationalisierung: Festlegen, wie ein abstraktes Merkmal messbar gemacht wird.
  • Manifeste (direkt beobachtbar) vs. latente Merkmale (indirekt, z. B. ĂŒber Tests).
  • HauptgĂŒtekriterien:
  • ObjektivitĂ€t: unabhĂ€ngig von Versuchsleitung
  • ReliabilitĂ€t: ZuverlĂ€ssigkeit/Messgenauigkeit
  • ValiditĂ€t: misst, was es messen soll
  • Skalenniveaus:
SkalaAussagenBeispiele
NominalGleichheit/VerschiedenheitNationalitÀt, Geschlecht, Beruf
OrdinalRangordnungSchulnoten, Bildungsabschluss
IntervallAbstÀndeTemperatur °C, IQ
VerhĂ€ltnisVerhĂ€ltnisse (mit natĂŒrlichem Nullpunkt)Reaktionszeit, Gewicht, Temperatur in Kelvin
  • Kategoriale Variablen = Nominal/Ordinal; kontinuierliche = Intervall/VerhĂ€ltnis.
  • Dichotome Variable = nur zwei AusprĂ€gungen.

Stichproben

  • Population/Grundgesamtheit vs. Stichprobe.
  • ReprĂ€sentativitĂ€t: Miniaturabbild der Population → Voraussetzung fĂŒr externe ValiditĂ€t.
  • Zufallsstichprobe (ideal) vs. Selection Bias (Verzerrung).
  • Vollerhebung meist unmöglich.

Studiendesigns

  • Querschnitt vs. LĂ€ngsschnitt
  • Labor vs. Feld
  • Quantitative vs. qualitative Forschung
  • Felduntersuchungen: höhere externe, niedrigere interne ValiditĂ€t.
  • Laboruntersuchungen: höhere interne, niedrigere externe ValiditĂ€t.

Experimentelle Methode

  • Zwei Merkmale: (1) systematische Variation einer Variable, (2) Kontrolle von Störvariablen.
  • UnabhĂ€ngige Variable (UV) = wird manipuliert (Ursache)
  • AbhĂ€ngige Variable (AV) = wird gemessen (Wirkung)
  • Experimentalgruppe vs. Kontrollgruppe
  • Between-Subjects-Design (verschiedene Gruppen) vs. Within-Subjects-Design (gleiche Personen in allen Bedingungen)
  • Störvariablen kontrollieren durch:
  • Konstanthalten
  • Balancieren / Ausbalancieren
  • Randomisierung (= zufĂ€llige Zuweisung – wichtigste Methode!)
  • Quasi-Experiment: alles wie Experiment, aber ohne Randomisierung (z. B. wenn UV nicht manipulierbar ist, etwa Geschlecht).
  • Erwartungseffekte: Versuchsleitereffekte, Hawthorne-Effekt → Kontrolle durch Verblindung (einfach/doppelblind).
  • Interne ValiditĂ€t (Kausalschluss möglich?) vs. externe ValiditĂ€t (Generalisierbarkeit?).
  • Konfundierung: Störvariable kovariiert mit UV und AV.

Deskriptive Statistik

  • HĂ€ufigkeiten: absolut, relativ, prozentual.
  • Histogramme fĂŒr HĂ€ufigkeitsverteilungen.
  • Maße der zentralen Tendenz:
  • Modalwert: hĂ€ufigster Wert (alle Skalenniveaus)
  • Median: Wert in der Mitte (ab Ordinalskala) – robust gegen Ausreißer
  • Arithmetisches Mittel (M): Summe geteilt durch N (ab Intervallskala)
  • Maße der Streuung:
  • Varianz (Var): mittlere quadrierte Abweichung vom Mittelwert
  • Standardabweichung (SD): Wurzel aus Varianz, gleiche Einheit wie Werte
  • Interquartilsabstand (IQA): Q3 − Q1
  • Zusammenhangsmaße:
  • Streudiagramm
  • Kovarianz: abhĂ€ngig von Einheiten
  • Korrelationskoeffizient r: standardisierte Kovarianz, Werte zwischen −1 und +1
  • r = 0 → kein linearer Zusammenhang
  • r = +1 → perfekt positiver Zusammenhang
  • r = −1 → perfekt negativer Zusammenhang
  • Korrelation ≠ KausalitĂ€t!

C) Wichtige Begriffe/Methoden

  • Heuristik, RĂŒckschaufehler, BestĂ€tigungsfehler
  • Operationalisierung, Variable, Stichprobe
  • Randomisierung, Konfundierung, Quasi-Experiment
  • Korrelation, KausalitĂ€t
  • HauptgĂŒtekriterien (ObjektivitĂ€t, ReliabilitĂ€t, ValiditĂ€t)
  • Skalenniveaus

D) Zentrale ZusammenhÀnge

  • Methodik ist die Grundlage aller psychologischen Erkenntnisse – ohne saubere Methodik keine valide Aussage.
  • Das Skalenniveau bestimmt, welche statistischen Verfahren zulĂ€ssig sind.
  • Experimente sind die "Königsdisziplin", weil sie als einzige kausale SchlĂŒsse zulassen.
  • Interne und externe ValiditĂ€t sind oft im Trade-off.

E) Typische PrĂŒfungslogik

  • Berechnungen: Mittelwert, Median, Modalwert, Standardabweichung, Korrelation.
  • Skalenniveau zuordnen.
  • Hypothesenarten erkennen.
  • UV vs. AV in einem Studienszenario benennen.
  • Korrelation vs. KausalitĂ€t unterscheiden.
  • Welche Störvariable könnte das Ergebnis verzerren?
  • ReliabilitĂ€t ≠ ValiditĂ€t unterscheiden.

F) Mini-MerksÀtze

  1. Heuristiken sind schnell, aber fehleranfÀllig.
  2. Hypothesen mĂŒssen prĂ€zise, widerspruchsfrei, widerlegbar, operationalisierbar, begrĂŒndbar sein.
  3. Kovariation ≠ KausalitĂ€t: Drei Bedingungen fĂŒr Kausalschluss: Kovariation + zeitliche Abfolge + Ausschluss anderer Ursachen.
  4. UV wird manipuliert, AV gemessen.
  5. Randomisierung macht aus einer Studie ein echtes Experiment.
  6. Skalenniveaus (aufsteigend): Nominal < Ordinal < Intervall < VerhÀltnis.
  7. ReliabilitÀt = Messgenauigkeit; ValiditÀt = misst es das Richtige?
  8. Median ist robust gegen Ausreißer; arithmetisches Mittel nicht.
  9. Korrelationskoeffizient r liegt zwischen −1 und +1.
  10. Quasi-Experiment = Experiment ohne Randomisierung.

Kapitel 4: Biologische Psychologie

A) Worum geht es?

Die biologische und physiologische Grundlage psychischer PhÀnomene. Wie Neuronen kommunizieren, wie das Nervensystem aufgebaut ist und wie das visuelle System funktioniert.

B) Die wichtigsten Konzepte

Begriffsabgrenzung

  • Biologische Psychologie = Oberbegriff fĂŒr Beziehungen zwischen körperlichen Prozessen und psychischen ZustĂ€nden.
  • Physiologische Psychologie, Neuropsychologie (klinisch), Kognitive Neurowissenschaft, Psychophysiologie, Psychopharmakologie, Vergleichende Psychologie.

Historische FĂ€lle

  • Phineas Gage (1848): Eisenstange durch den Frontallappen → PersönlichkeitsverĂ€nderung. Zeigte: Frontallappen wichtig fĂŒr Impulskontrolle.
  • Patient „Tan" (Paul Broca, 19. Jh.): konnte nur "tan" sagen → Entdeckung des Broca-Areals (Sprachproduktion).

Neuronen und Gliazellen

  • Neuron: Bausteine des Nervensystems, ca. 86 Mrd. im menschlichen Gehirn.
  • Drei Arten: sensorische Neuronen, Interneuronen, Motoneuronen.
  • Aufbau: Soma (Zellkörper mit Zellkern), Dendriten (Empfang), Axon (Weiterleitung), Axonterminale/Synapsenendknöpfchen (Senden).
  • Gliazellen: stĂŒtzen, ernĂ€hren, schĂŒtzen Neuronen (Blut-Hirn-Schranke durch Astrozyten); bilden Myelin (Markscheide):
  • Oligodendrozyten (ZNS, mehrere Segmente)
  • Schwann-Zellen (PNS, ein Segment)
  • Ranvier-SchnĂŒrringe: unmyelinisierte Stellen → saltatorische Erregungsleitung.
  • Multiple Sklerose: Demyelinisierung im ZNS.

Ruhe- und Aktionspotenzial

  • Membranpotenzial im Ruhezustand: −70 mV.
  • Schwellenwert: ca. −55 mV → wird er ĂŒberschritten, Aktionspotenzial ausgelöst.
  • Alles-oder-Nichts-Gesetz: Aktionspotenzial entweder voll oder gar nicht.
  • Phasen: Depolarisation → Overshoot (+50 mV) → Repolarisation → Hyperpolarisation/Nachpotenzial → Ruhepotenzial (Natrium-Kalium-Pumpe).
  • Absolute und relative RefraktĂ€rphase (kein erneutes Feuern möglich).
  • Exzitatorische Signale (Depolarisation, fördern Feuern) vs. inhibitorische Signale (Hyperpolarisation, hemmen Feuern).

Synaptische Übertragung

  • Elektrische Synapsen (gap junctions, schnell, bidirektional) vs. chemische Synapsen (chemische Botenstoffe, hĂ€ufiger im Gehirn).
  • Ablauf chemische Synapse: Aktionspotenzial → CalciumkanĂ€le öffnen → synaptische Vesikel verschmelzen mit prĂ€synaptischer Membran → Exocytose der Neurotransmitter → Bindung an Rezeptoren der postsynaptischen Membran → SchlĂŒssel-Schloss-Prinzip → Depolarisation oder Hyperpolarisation → Wiederaufnahme oder Abbau der Neurotransmitter.

Neurotransmitter (Auswahl, nicht erschöpfend)

  • Glutamat: wichtigster exzitatorischer Neurotransmitter; Lernen, GedĂ€chtnis.
  • GABA: wichtigster inhibitorischer Neurotransmitter; beruhigend.
  • (Weitere im Skript wie Dopamin, Serotonin etc. behandelt – siehe Originalskript fĂŒr vollstĂ€ndige Liste.)

Aufbau des Nervensystems

  • Zentrales Nervensystem (ZNS): Gehirn + RĂŒckenmark.
  • Peripheres Nervensystem (PNS): alles außerhalb.
  • Anatomische Bezugspunkte: anterior/posterior, ventral/dorsal, superior/inferior, medial/lateral, ipsilateral/kontralateral.
  • RĂŒckenmark: H-förmige graue Substanz (Hinterhörner = sensorisch; Vorderhörner = motorisch). Spinalnerven, Dermatome, Reflexe (z. B. Patellarsehnenreflex).
  • Weiße Substanz = Axone; graue Substanz = Zellkörper.

Das Gehirn

Embryonale Entwicklung – aus drei primĂ€ren HirnblĂ€schen:

  • Prosencephalon (Vorderhirn) → Telencephalon (Großhirn) + Diencephalon (Zwischenhirn)
  • Mesencephalon (Mittelhirn)
  • Rhombencephalon (Rautenhirn) → Metencephalon (Hinterhirn) + Myelencephalon (Nachhirn)
RegionFunktion
Medulla oblongata (Nachhirn)Atmung, Blutdruck, Herzschlag
Pons (BrĂŒcke)Schaltstation
Cerebellum (Kleinhirn)Motorik, Bewegungsablauf
Mittelhirn (Tectum/Tegmentum)Reflexe, Schmerz, Substantia nigra (Bewegung)
ThalamusSammelstelle aller Sinne (außer Geruch)
HypothalamusHunger, Schlaf, SexualitÀt, Hormonsteuerung (Hypophyse)
Großhirn (cerebraler Cortex)komplexeste Funktionen

Vier Lappen des cerebralen Cortex:

  • Frontallappen: Planung, Sprache (Broca), Sozialverhalten, Emotionsregulation, Bewegung, prĂ€frontaler Cortex
  • Parietallappen: Sensumotorik, Tastsinn
  • Temporallappen: Hören, SprachverstĂ€ndnis (Wernicke)
  • Okzipitallappen: Sehen

Corpus callosum: verbindet beide HemisphÀren.

Peripheres Nervensystem

  • Somatisch (willkĂŒrlich)
  • Autonom: Sympathikus (Aktivierung) vs. Parasympathikus (Beruhigung).

Visuelles System

  • Auge-Aufbau: Cornea → Pupille (Iris reguliert) → Linse (Akkommodation) → Glaskörper → Retina mit Photorezeptoren.
  • StĂ€bchen (lichtempfindlich, dĂ€mmrig, kein Farbsehen) vs. Zapfen (Farbsehen, scharf, hell).
  • Fovea: Ort des schĂ€rfsten Sehens, viele Zapfen.
  • Blinder Fleck: Sehnervaustritt, keine Rezeptoren.
  • Drei Zapfentypen: blau-, grĂŒn-, rotempfindlich → Farbfehlsichtigkeit (z. B. Rot-GrĂŒn-SchwĂ€che, X-chromosomal rezessiv).
  • Transduktion: Lichtenergie → neuronales Signal (Photorezeptoren).
  • Sehbahn: Photorezeptoren → Bipolarzellen → Ganglienzellen → Sehnerv → Chiasma opticum (Kreuzung der nasalen Fasern) → Corpus geniculatum laterale (CGL) im Thalamus → primĂ€rer visueller Cortex (V1) im Okzipitallappen.
  • Kontralaterale Verschaltung: linkes Gesichtsfeld → rechte GehirnhĂ€lfte.
  • Retinotrope Organisation: benachbarte Retina-Stellen werden auf benachbarte Stellen im CGL/V1 abgebildet.
  • Orientierungssensitive und richtungssensitive Zellen (Hubel & Wiesel) in V1.

C) Wichtige Personen, Experimente

  • Phineas Gage, Paul Broca, Patient Tan
  • Hubel & Wiesel: orientierungssensitive Zellen
  • Ishihara: Farbtafeln zur Rot-GrĂŒn-Diagnostik

D) Zentrale ZusammenhÀnge

  • Die Biologische Psychologie liefert das Fundament fĂŒr die Allgemeine Psychologie (Kap. 5): ohne VerstĂ€ndnis von Neuronen, Synapsen, Hirnregionen kein VerstĂ€ndnis fĂŒr Wahrnehmung, Lernen, GedĂ€chtnis.
  • Neurotransmitter sind Angriffspunkte von Psychopharmaka.
  • FĂ€lle wie Phineas Gage zeigen: Hirnregionen sind funktional spezialisiert, aber zusammenwirkend.

E) Typische PrĂŒfungslogik

  • Aufbau eines Neurons benennen.
  • Phasen des Aktionspotenzials in richtige Reihenfolge bringen.
  • Hirnregion ↔ Funktion zuordnen.
  • Begriffe wie ventral/dorsal, ipsi-/kontralateral anwenden.
  • Den Weg eines visuellen Signals vom Auge zum Gehirn beschreiben.
  • Was passiert bei SchĂ€digung welcher Hirnregion?

F) Mini-MerksÀtze

  1. Ein Neuron hat Soma, Dendriten (Empfang), Axon (Senden).
  2. Ruhepotenzial: −70 mV. Schwellenwert: −55 mV. Aktionspotenzial folgt dem Alles-oder-Nichts-Gesetz.
  3. Synaptische Übertragung lĂ€uft meist chemisch – Neurotransmitter im synaptischen Spalt.
  4. Glutamat = exzitatorisch; GABA = inhibitorisch.
  5. ZNS = Gehirn + RĂŒckenmark; PNS = der Rest.
  6. Vier Lappen: Frontal (Planung/Persönlichkeit), Parietal (Tasten), Temporal (Hören/Sprachverstehen), Okzipital (Sehen).
  7. Frontallappen-Schaden = Phineas Gage = PersönlichkeitsverÀnderung.
  8. Broca-Areal = Sprachproduktion; Wernicke-Areal = SprachverstÀndnis.
  9. Linkes Gesichtsfeld → rechte GehirnhĂ€lfte (kontralateral).
  10. StÀbchen = dÀmmrig/kein Farbsehen; Zapfen = hell/Farbsehen.

TEIL 3 – Allgemeine Psychologie


Kapitel 5: Allgemeine Psychologie

A) Worum geht es?

Die Allgemeine Psychologie untersucht psychische Funktionen, die alle Menschen teilen: Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Lernen, GedĂ€chtnis (und auch Sprache, Emotion, Motivation – die ersten vier sind im Skript Schwerpunkt). Sie verfolgt einen universalistischen Ansatz und betrachtet gesunde Erwachsene.

B) Die wichtigsten Konzepte

Wahrnehmung und Aufmerksamkeit

Drei Stufen der Wahrnehmung (Becker-Carus & Wendt):

  1. Sensorische Empfindung: Sinnesorgane wandeln Reize in neuronale Signale um (eher biologisch).
  2. Wahrnehmung im engeren Sinne: Perzept entsteht, ein mentales Abbild.
  3. Klassifikation: Einordnung in bekannte Kategorien.

Psychophysik (Fechner)

  • Absolutschwelle: kleinste ReizintensitĂ€t, die wahrgenommen werden kann (50 %-Schwelle).
  • Unterschiedsschwelle: kleinste Differenz, die wahrgenommen werden kann.
  • Methoden: Grenzmethode (auf-/absteigend), Konstanzmethode (zufĂ€llig).
  • Psychometrische Funktion: HĂ€ufigkeit der Wahrnehmung vs. ReizintensitĂ€t.

Signalentdeckungstheorie

  • Wahrnehmung = SensitivitĂ€t + kognitiver Entscheidungsprozess.
  • Vier Antwortmöglichkeiten: Treffer, Verpasser, Falscher Alarm, Korrekte ZurĂŒckweisung.
  • Ja-Sage-Tendenz / Nein-Sage-Tendenz = Antworttendenzen.

Aufmerksamkeit

  • Unaufmerksamkeitsblindheit (Simons & Chabris – Gorilla-Experiment): wir sehen nur, worauf wir uns fokussieren.
  • Endogene Aufmerksamkeit: kognitiv gesteuert, von innen (Erwartungen, Vorwissen).
  • Exogene Aufmerksamkeit: durch Ă€ußere Reize ausgelöst (auffĂ€llige Reize ziehen Aufmerksamkeit auf sich).
  • Cueing-Paradigma (Posner): valide vs. neutrale vs. invalide Hinweisreize; mit Stimulus-Onset-Asynchrony (SOA): endogen ≄200 ms wirksam, exogen schon ab ~50 ms.

Visuelle Wahrnehmung (Vertiefung)

Gegenfarbentheorie (Hering): drei Einheiten – Rot-GrĂŒn, Blau-Gelb, Schwarz-Weiß. ErklĂ€rt, warum es kein "grĂŒnliches Rot" gibt, sowie Nachbilder in KomplementĂ€rfarben.

Tiefen- und GrĂ¶ĂŸenwahrnehmung

  • Monokulare Hinweise (ein Auge reicht): Linienperspektive, relative GrĂ¶ĂŸe, Verdeckung, atmosphĂ€rische Perspektive.
  • Binokulare Hinweise (beide Augen nötig): Konvergenz (Augen drehen nach innen), Akkommodation (Linse), Querdisparation (leicht unterschiedliche Bilder beider Augen).
  • Ames-Raum: optische TĂ€uschung durch manipulierte Tiefenhinweise.

Dorsaler vs. ventraler Pfad (Goodale & Milner)

  • Ventraler Pfad (zum Temporallappen): "Was"-Pfad – Vision for Perception.
  • Dorsaler Pfad (zum Parietallappen): "Wo"-/"Wie"-Pfad – Vision for Action.
  • Beleg: doppelte Dissoziation bei HirnschĂ€digungen.

Lernen

Definition: durch Erfahrung entstandene, relativ ĂŒberdauernde VerhaltensĂ€nderungen (= VerĂ€nderung des Verhaltenspotenzials). Abzugrenzen von Reifung/Entwicklung. Explizit (bewusst) vs. implizit (unbewusst).

Habituation und Sensitivierung

  • Habituation: Gewöhnung an wiederholten harmlosen Reiz; Reaktion nimmt ab.
  • Sensitivierung: VerstĂ€rkung der Reaktion auf einen Reiz.

Klassische Konditionierung (Pawlow, Watson)

  • UCS (unkonditionierter Stimulus) → UCR (unkonditionierte Reaktion)
  • NS (neutraler Stimulus) + UCS wiederholt → CS (konditionierter Stimulus) → CR (konditionierte Reaktion)
  • Bekannt: Pawlows Hunde (Glocke + Futter → Speichelfluss bei Glocke).
  • Little-Albert-Experiment (Watson & Rayner): Furchtkonditionierung bei einem SĂ€ugling – heute ethisch unzulĂ€ssig.
  • Reizgeneralisierung: Ă€hnliche Reize lösen auch CR aus.
  • Reizdiskrimination: Unterscheidung Ă€hnlicher Reize, nur einer löst CR aus.
  • Löschung (Extinktion): NS ohne UCS → CR nimmt ab.
  • Spontanremission: gelöschte CR taucht spĂ€ter wieder auf.

Operante Konditionierung (Thorndike, Skinner)

  • Gesetz des Effekts (Thorndike): Verhalten mit befriedigender Konsequenz wird wahrscheinlicher.
  • Skinner-Box: Operandum (Hebel) → VerstĂ€rkung (Futter).
  • Reiz-Reaktions-Verbindung (S-R).
  • VerstĂ€rker und Bestrafer:
Reiz hinzufĂŒgenReiz wegnehmen
Verhalten wahrscheinlicherPositive VerstÀrkung (z. B. Lob)Negative VerstÀrkung (z. B. Befreiung von Pflichten)
Verhalten unwahrscheinlicherPositive Bestrafung (z. B. zusÀtzliche Aufgabe)Negative Bestrafung (z. B. Hausarrest)
  • PrimĂ€re VerstĂ€rker (biologisch: Nahrung) vs. sekundĂ€re VerstĂ€rker (gelernt: Geld).
  • Auch hier: Löschung, Spontanremission, Reizdiskrimination, Reizgeneralisierung.

Beobachtungslernen / Modelllernen (Bandura)

  • Auch: soziales Lernen, sozialkognitive Lerntheorie.
  • Bobo-Doll-Experimente: Kinder ahmten aggressives Verhalten eines Modells nach.
  • Zweites Experiment: Modell wird belohnt/bestraft → beeinflusst, ob Kind das Verhalten zeigt.
  • Wichtig fĂŒr die kognitive Psychologie (nicht Behaviorismus): es geht um Beobachtung, nicht um direkte VerstĂ€rkung.

GedÀchtnis

Drei Prozesse: Enkodierung → Speicherung → Abruf.

Drei-Speicher-Modell (Atkinson & Shiffrin, 1968)

  • Sensorischer Speicher (ikonisches/echoisches Register): riesige KapazitĂ€t, sehr kurze Dauer.
  • Kurzzeitspeicher: limitiert, ca. 30 Sekunden ohne Wiederholung.
  • Langzeitspeicher: nahezu unbegrenzte KapazitĂ€t und Dauer.
  • Kritik: zu rigide Trennung; KZG hat stĂ€ndigen Austausch mit LZG.

ArbeitsgedÀchtnis (Baddeley & Hitch 1974; Baddeley 2000)

  • Zentrale Exekutive (Kontrolle, Aufmerksamkeit, Koordination)
  • Phonologische Schleife (Sprache, akustisch)
  • Visuell-rĂ€umlicher Notizblock (Bilder, RĂ€ume)
  • Episodischer Puffer (Verbindung zu LZG und Wahrnehmung; 2000 ergĂ€nzt)
  • Millersche Zahl: ca. 7 ± 2 Einheiten im ArbeitsgedĂ€chtnis.
  • Chunking: Gruppieren reduziert Belastung.
  • Dual-Task-Paradigma: zeigt Subkomponenten des ArbeitsgedĂ€chtnisses (Doppelaufgabenkosten).

LangzeitgedĂ€chtnis – Untergliederung

  • Explizit / deklarativ (bewusst):
  • Semantisches GedĂ€chtnis (Faktenwissen)
  • Episodisches GedĂ€chtnis (persönliche Erlebnisse)
  • Implizit / non-deklarativ (unbewusst):
  • Prozedurales GedĂ€chtnis (Fertigkeiten: Radfahren)
  • Resultate klassischer/operanter Konditionierung
  • Habituation, Sensitivierung
  • Priming, Erwartungen

Amnesie

  • Retrograde Amnesie: Erinnerungen vor Ereignis weg.
  • Anterograde Amnesie: Neue Inhalte können nicht mehr eingespeichert werden.
  • Patient H.M. (Henry Molaison): nach Hippocampus-Entfernung schwere anterograde Amnesie, aber motorisches Lernen blieb erhalten – wichtig fĂŒr die Erkenntnis getrennter GedĂ€chtnissysteme. Brenda Milner & William Scoville waren die Forscher.

GedÀchtniseffekte

  • EnkodierspezifitĂ€t: Erinnerung besser, wenn Abruf-Zustand dem Enkodier-Zustand Ă€hnelt.
  • Serieller Positionseffekt (Jahnke): Wörter am Anfang (Primacy Effekt – hĂ€ufig wiederholt → LZG) und Ende (Recency Effekt – noch im KZG) einer Liste werden besser erinnert.
  • Vergessenskurve von Ebbinghaus: rapides Vergessen in den ersten Stunden, dann langsamer; Ersparnismethode.
  • Proaktive Interferenz: Altes stört Neues.
  • Retroaktive Interferenz: Neues stört Altes.

C) Wichtige Personen/Experimente

  • Fechner (Psychophysik), Pawlow (klassische Konditionierung), Watson & Rayner (Little Albert), Thorndike (ProblemkĂ€fig, Gesetz des Effekts), Skinner (Skinner-Box), Bandura (Bobo-Doll), Ebbinghaus (Vergessenskurve, sinnlose Silben), Atkinson & Shiffrin (Drei-Speicher-Modell), Baddeley & Hitch (ArbeitsgedĂ€chtnis), Brenda Milner / Scoville (Patient H.M.), Simons & Chabris (Gorilla-Experiment), Posner (Cueing), Goodale & Milner (ventral/dorsal), Hering (Gegenfarbentheorie), Ames (Ames-Raum).

D) Zentrale ZusammenhÀnge

  • Wahrnehmung baut auf biologischer Grundlage (Kap. 4) auf, geht aber ĂŒber sie hinaus (Stufe 2/3).
  • Lernen + GedĂ€chtnis sind eng verwandt: implizites GedĂ€chtnis ist Lernpsychologie, explizites ist GedĂ€chtnispsychologie.
  • Behaviorismus liefert klassische/operante Konditionierung; kognitive Psychologie das Beobachtungslernen.
  • Patient H.M. zeigt: explizites GedĂ€chtnis (Hippocampus) ≠ implizites GedĂ€chtnis (anderes System).
  • Aufmerksamkeit ist Filter der Wahrnehmung.

E) Typische PrĂŒfungslogik

  • Beispiel zuordnen: klassisch vs. operant vs. Beobachtungslernen.
  • UCS, UCR, CS, CR korrekt benennen.
  • Positiv/negativ × VerstĂ€rkung/Bestrafung zuordnen.
  • Stufen der Wahrnehmung.
  • Drei-Speicher-Modell vs. ArbeitsgedĂ€chtnismodell vergleichen.
  • Welche Amnesie passt zu welchem Fall?
  • GedĂ€chtniseffekt erkennen (Primacy/Recency, Interferenz).
  • Korrelat: Hippocampus → GedĂ€chtnis; Bobo-Doll → Bandura.

F) Mini-MerksÀtze

  1. Habituation = Gewöhnung; Sensitivierung = VerstÀrkung.
  2. Klassische Konditionierung: NS wird durch wiederholte Kopplung mit UCS zum CS.
  3. Operante Konditionierung: Konsequenzen verÀndern Auftretenswahrscheinlichkeit.
  4. Positiv = etwas hinzufĂŒgen, negativ = etwas wegnehmen. VerstĂ€rkung = Verhalten fördern, Bestrafung = Verhalten reduzieren.
  5. Beobachtungslernen (Bandura) ≠ Behaviorismus – es ist sozial-kognitiv.
  6. Drei-Speicher-Modell: sensorisch → KZG → LZG.
  7. ArbeitsgedÀchtnis = zentrale Exekutive + phonologische Schleife + visuell-rÀumlicher Notizblock + episodischer Puffer.
  8. Millersche Zahl: 7 ± 2.
  9. Patient H.M. = anterograde Amnesie, aber prozedurales Lernen erhalten.
  10. Primacy = Anfang (LZG), Recency = Ende (KZG).
  11. Korrelation Aufmerksamkeit ↔ Wahrnehmung: ohne Aufmerksamkeit kein bewusstes Wahrnehmen (Gorilla-Effekt).

Selbsttest Kapitel 5 (aktive AbrufĂŒbung)

  1. ErklÀre in 2 SÀtzen den Unterschied zwischen Absolut- und Unterschiedsschwelle.
  2. Nenne die vier Felder der Signalentdeckungstheorie und gib je ein kurzes Beispiel.
  3. Was unterscheidet klassische von operanter Konditionierung?
  4. Warum ist der Fall H.M. ein Schluesselbeleg fĂŒr getrennte GedĂ€chtnissysteme?
  5. Ordne zu: Primacy- und Recency-Effekt - welches System ist jeweils beteiligt?

Kurzcheck: Wenn du alle 5 Fragen frei und ohne Nachschauen beantworten kannst, sitzt Kapitel 5 pruefungsreif.

Wiederholungsplan Kapitel 5

  • D1: 15 Min. Karteikarten zu Wahrnehmung, Lernen, GedĂ€chtnis.
  • D3: Nur Selbsttestfragen erneut beantworten, dann gezielt LĂŒcken nachlesen.
  • D7: Kapitel 5 mit Kapitel 6 vergleichen (Entwicklungsperspektive).
  • D14: 10-Minuten-Speed-Recall ohne Unterlagen.

TEIL 4 – Entwicklungspsychologie


Kapitel 6: Entwicklungspsychologie

A) Worum geht es?

VerĂ€nderungsprozesse ĂŒber die gesamte Lebensspanne – körperlich, kognitiv, sozial. Klassische Frage: Anlage vs. Umwelt – Piaget kombinierte beides.

B) Die wichtigsten Konzepte

Entwicklungsphasen (vereinfacht)

  • PrĂ€natal → SĂ€uglingsalter → Kleinkindalter → mittlere/spĂ€te Kindheit → Adoleszenz → frĂŒhes/mittleres/hohes Erwachsenenalter.

Biologische Entwicklung

PrÀnatale Phasen

StadiumZeitWas passiert
Germinales Stadiumbis ~2. WocheZygote wandert durch Eileiter, Einnistung
Embryonales Stadium3.–8. WocheZellspezialisierung, erster Herzschlag
Fötales Stadium9. Woche bis GeburtWachstum, Ausreifung
  • Teratogene: schĂ€digende Umweltfaktoren (Erkrankungen, Suchtmittel, Strahlung).
  • Sensible Phasen: Phasen besonderer Verletzlichkeit (meist starkes Wachstum).
  • Synaptic Pruning: nach Überproduktion werden nicht benötigte Verbindungen abgebaut.

SĂ€uglingsalter

  • Visuelle Klippe (Gibson & Walk): krabbelfĂ€hige Kinder weigern sich, ĂŒber die scheinbare Klippe zu krabbeln → frĂŒhes Tiefenwahrnehmungs-VerstĂ€ndnis.

Adoleszenz

  • PubertĂ€t: Geschlechtshormone → sekundĂ€re Geschlechtsmerkmale.
  • Bei MĂ€dchen: Menarche (~12 Jahre). Bei Buben: Spermache.
  • PrimĂ€re Geschlechtsmerkmale = Geschlechtsorgane; sekundĂ€re = Ă€ußere Reifezeichen.

Erwachsenenalter

  • Abbau von Reaktionszeit und Muskelkraft.
  • Inflammaging: chronische niedriggradige EntzĂŒndung im Alter.
  • Menopause (Frauen, ~50 J.) und Andropause (MĂ€nner, langsamer, beginnend ~30–40).

Kognitive Entwicklung

Jean Piaget

  • Konstruktivistische Sichtweise: Kinder konstruieren Wissen selbst – "Kinder als Wissenschafter".
  • Schemata: mentale Strukturen.
  • Assimilation: neue Info in vorhandenes Schema integrieren (Tier mit 4 Beinen + Fell = Hund).
  • Akkommodation: vorhandenes Schema anpassen (das ist eine Katze, also gibt es auch andere vierbeinige Felltiere).

Vier Entwicklungsstadien nach Piaget

StadiumAlterMerkmal
Sensomotorisch0–2 J.sinnliche/motorische Erfahrung, Objektpermanenz entwickelt sich
PrĂ€operatorisch2–7 J.symbolisches Denken, Egozentrismus, kein Invarianzprinzip
Konkret-operatorisch7–11 J.logisches Denken bei konkreten Objekten, Invarianzprinzip, ReversibilitĂ€t
Formal-operatorischab 11 J.abstraktes/hypothetisches Denken, deduktive Logik
  • Invarianzprinzip / Erhaltungsexperiment: gleiches FlĂŒssigkeitsvolumen in höherem Glas → prĂ€operatorisches Kind glaubt, es sei mehr.
  • Kritik: Piaget schĂ€tzte das Erwerbsalter teils zu hoch ein (z. B. Objektpermanenz schon ab 3,5 Monaten lt. Baillargeon).

Theory of Mind

  • FĂ€higkeit, sich und anderen mentale ZustĂ€nde (WĂŒnsche, Überzeugungen) zuzuschreiben.
  • Entwickelt sich ab ca. 4 Jahren.
  • False-Belief-Aufgabe (Maxi-Aufgabe) von Wimmer & Perner: Maxi und die Schokolade.
  • 3–4-JĂ€hrige scheitern; ab 6 Jahren lösen fast alle.

Moralische Entwicklung nach Kohlberg

  • Inspiriert von Piaget, durch Heinz-Dilemma untersucht.
  • Drei Niveaus, je zwei Stufen:
NiveauStufenKennzeichen
PrÀkonventionell1: Gehorsam/Strafe; 2: Eigennutz/ReziprozitÀtselbstbezogen, Strafen vermeiden, Belohnung suchen
Konventionell3: zwischenmenschl. Erwartungen; 4: soziales System/GesetzOrientierung an Gruppe und Gesellschaft
Postkonventionell5: sozialer Kontrakt; 6: universelle PrinzipienĂŒber Gesetze hinaus, ethische Prinzipien
  • Stufe 6 = hypothetisch (kaum jemand erreicht sie).
  • Wichtig: nicht die Entscheidung, sondern die BegrĂŒndung zĂ€hlt.

Kognitive Entwicklung im Erwachsenenalter

  • Manche FĂ€higkeiten sinken, andere bleiben/steigen (z. B. Kristalline Intelligenz). Im Skript nur kurz behandelt.

Soziale Entwicklung

Bindungstheorie (Bowlby, Ainsworth)

  • Bindung = emotionale Verbindung mit nahestehenden Personen (meist Mutter).
  • Fremde-Situation-Experiment (Ainsworth): Kind, Mutter, fremde Person, Trennung, Wiedersehen.
  • Vier Bindungstypen:
TypBezeichnungVerhalten bei RĂŒckkehr
Aunsicher-vermeidendwirkt ruhig, vermeidet Kontakt (hohe Cortisol-Werte trotz ruhiger Außenwirkung!)
Bsicher gebundenweint bei Trennung, sucht Trost, lÀsst sich beruhigen
Cunsicher-ambivalentsucht Trost, kann ihn aber nicht annehmen
Dunsicher-desorganisiertkonfus, eingefroren, ggf. aggressiv (oft nach Traumatisierung)
  • Typ B = einziger sicherer Typ. A, C, D = unsicher.

Eriksons Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung

  • 8 Stufen ĂŒber die Lebensspanne, jede mit einer "Krise":
AlterKrise
0–1 J.Urvertrauen vs. Misstrauen
1–3 J.Autonomie vs. Selbstzweifel
3–6 J.Initiative vs. SchuldgefĂŒhl
6 J.–PubertĂ€tKompetenz vs. Minderwertigkeit
AdoleszenzIdentitÀt vs. Rollenkonfusion
FrĂŒhes ErwachsenenalterIntimitĂ€t vs. Isolation
Mittleres ErwachsenenalterGenerativitÀt vs. Stagnation
Hohes ErwachsenenalterIch-IntegritÀt vs. Verzweiflung

IdentitÀt nach James Marcia (Weiterentwicklung Eriksons)

  • Vier IdentitĂ€tsstatus:
  • Diffuse IdentitĂ€t (Identity Diffusion): keine Auseinandersetzung
  • Übernommene IdentitĂ€t (Foreclosure): unhinterfragt ĂŒbernommen
  • Kritische IdentitĂ€t (Moratorium): Krise, Exploration, keine Festlegung
  • Erarbeitete IdentitĂ€t (Achievement): Krise durchlaufen, neues Selbstbild

C) Wichtige Personen, Experimente

  • Piaget, Wimmer & Perner, Kohlberg, Bowlby, Ainsworth, Erikson, Marcia, Gibson & Walk (visuelle Klippe), Baillargeon (frĂŒhe Objektpermanenz), Mary Main & Judit Solomon (Bindungstyp D).

D) Zentrale ZusammenhÀnge

  • Piaget, Kohlberg und Erikson postulieren alle Stufenmodelle – Reihenfolge bei allen wichtig.
  • Piagets Theorie inspirierte Kohlbergs Moralentwicklung.
  • Eriksons Theorie wurde von Marcia fĂŒr die Adoleszenz weiterentwickelt.
  • Bindungserfahrungen prĂ€gen spĂ€tere soziale/emotionale Entwicklung (vgl. auch Kap. 8: Persönlichkeit).
  • Lernen vs. Entwicklung: nicht immer eindeutig trennbar.

E) Typische PrĂŒfungslogik

  • Piaget-Stadium zu einem Beispiel zuordnen.
  • Assimilation vs. Akkommodation.
  • Bindungstypen zuordnen.
  • Erikson: Alter → Krise.
  • Kohlberg: Stufe an Argumentation erkennen.
  • False-Belief-Aufgabe verstehen.

F) Mini-MerksÀtze

  1. Entwicklung = lebenslange VerÀnderung; intensivste Phase: Kindheit/Jugend.
  2. Piagets vier Stadien: sensomotorisch, prÀoperatorisch, konkret-operatorisch, formal-operatorisch.
  3. Assimilation = einordnen; Akkommodation = anpassen.
  4. Objektpermanenz: Piaget sagte 8 Monate; Baillargeon zeigte: schon 3,5 Monate.
  5. Theory of Mind ab ca. 4 Jahren – False-Belief-Aufgabe (Wimmer & Perner).
  6. Kohlberg: 3 Niveaus × 2 Stufen; nicht die Entscheidung, die BegrĂŒndung zĂ€hlt.
  7. Bindungstypen: A (vermeidend), B (sicher), C (ambivalent), D (desorganisiert).
  8. Erikson hat 8 Stufen – Adoleszenz: IdentitĂ€t vs. Rollenkonfusion.
  9. Marcia: 4 IdentitĂ€tsstatus (diffus, ĂŒbernommen, kritisch, erarbeitet).
  10. Teratogene = schĂ€dliche prĂ€natale UmwelteinflĂŒsse; sensible Phasen = besonders verletzlich.

Selbsttest Kapitel 6 (aktive AbrufĂŒbung)

  1. Beschreibe die drei prÀnatalen Entwicklungsphasen in richtiger Reihenfolge.
  2. Definiere Assimilation und Akkommodation mit je einem Beispiel.
  3. Welche Aussage prĂŒft die False-Belief-Aufgabe?
  4. Warum zĂ€hlt bei Kohlberg die BegrĂŒndung und nicht die Entscheidung?
  5. Nenne die vier Bindungstypen nach Ainsworth.

Kurzcheck: Ziel ist, alle Begriffe ohne Stichworte zu erklÀren und mindestens zwei Studien korrekt zuzuordnen.

Wiederholungsplan Kapitel 6

  • D1: Piaget, Kohlberg, Erikson als Dreifachvergleich auf 1 Seite.
  • D3: Nur Bindung + Theory of Mind als Kurzvortrag laut sprechen.
  • D7: Entwicklungs- mit Sozialpsychologie verknĂŒpfen (IdentitĂ€t, Normen).
  • D14: 20 Karteikarten gemischt aus Kapitel 5 und 6.

TEIL 5 – Sozialpsychologie


Kapitel 7: Sozialpsychologie

A) Worum geht es?

Wie wirken andere Menschen auf unser Erleben, Denken und Verhalten – auch wenn sie nur vorgestellt sind? Sozialpsychologie betont situative Faktoren (im Kontrast zur Persönlichkeitspsychologie).

B) Die wichtigsten Konzepte

Soziale Kognition – Konstruktion von RealitĂ€t

  • Schemata: mentale Strukturen fĂŒr ein Thema/eine Person/Gruppe.
  • Kategorien & Prototypen: typischste Vertreter einer Kategorie.
  • Stereotype: sozial geteilte Überzeugungen ĂŒber Mitglieder einer Kategorie (kognitive Komponente).
  • Skripte: DrehbĂŒcher fĂŒr HandlungsablĂ€ufe (z. B. Konzertbesuch).
  • Assoziative Netzwerke: verknĂŒpfte Konzepte.

Priming

  • Unbewusste Aktivierung von GedĂ€chtnisinhalten durch einen Hinweisreiz (Prime), beeinflusst Verarbeitung eines Targets.
  • Positives Priming: erleichtert Verarbeitung. Negatives Priming: erschwert.
  • Semantisches Priming: inhaltliche VerknĂŒpfung (Vogel → Rotkehlchen).
  • Affektives Priming: emotionale Bewertung (Bild macht gute Stimmung → bessere Bewertung anderer Reize).

Kontrolliertes vs. automatisches Denken

  • Automatisches Denken: unbewusst, schnell, ressourcensparend.
  • Kontrolliertes Denken: bewusst, langsam, ressourcenintensiv.
  • Zwei-Prozess-Modelle:
ModellFokusBegriffe
Elaboration-Likelihood-Modell (ELM) (Petty & Cacioppo)EinstellungsĂ€nderung durch PersuasionZentrale Route (hohe Motivation + KapazitĂ€t → kritisches PrĂŒfen) vs. Periphere Route (Heuristiken, oberflĂ€chlich)
Reflektiv-Impulsiv-Modell (RIM) (Strack & Deutsch)VerhaltenReflektives System (bewusst, sequenziell, faktenbasiert) vs. Impulsives System (assoziativ, schnell, parallel)

Sozialer Einfluss / Intragruppenprozesse

Soziale Erleichterung vs. soziale Hemmung

  • Anwesenheit anderer → bei einfachen/geĂŒbten Aufgaben Leistungssteigerung (Erleichterung), bei schwierigen/ungeĂŒbten Aufgaben Verschlechterung (Hemmung).
  • ErklĂ€rung: Aufmerksamkeitskonflikte (Muller et al., Illusory Conjunction Tasks).

Mehrheitseinfluss

  • ChamĂ€leon-Effekt (Chartrand & Bargh): unbewusste Nachahmung nonverbalen Verhaltens.
  • Asch-Experiment (Linienvergleich): ~33 % schließen sich gegen besseres Wissen der Mehrheit an → KonformitĂ€t.
  • Zwei Quellen:
  • Normativer sozialer Einfluss: "das tut man (nicht)" – Anpassung, um nicht aufzufallen.
  • Informationaler sozialer Einfluss: "die anderen mĂŒssen es wissen" – Anpassung in mehrdeutigen Situationen.

Minderheitseinfluss

  • Wichtig: Konsistenz der Position.
  • Moscovici et al. (Farbexperiment): konsistent abweichende Minderheit Ă€ndert Mehrheitsmeinung in ~8 % der FĂ€lle.

Gehorsam – Milgram-Experiment

  • "Lehrer" sollte einem "SchĂŒler" Elektroschocks geben.
  • 65 % gingen bis 450 Volt (vorhergesagt: 1 %).
  • Faktoren: AutoritĂ€t (Versuchsleiter), graduelle Eskalation, Verantwortungsverlagerung.
  • ErklĂ€rt teils Holocaust-Beteiligung "normaler BĂŒrger".
  • Heute ethisch nicht mehr zulĂ€ssig.

Bewusste soziale Einflussnahme – "Judo-Strategien"

  • Prinzip sozialer BewĂ€hrtheit: "Was alle tun, muss gut sein."
  • Prinzip der Knappheit: "Was rar ist, muss viel wert sein." Erzeugt Reaktanz.
  • Kontrastprinzip: Vergleichsstandard manipulieren.
  • ReziprozitĂ€tsnorm: "Wie du mir, so ich dir." (Regan-Experiment)
  • Commitment / Konsistenz.

Soziale Rollen und Normen

  • Normen: ungeschriebene Gesetze, Erwartungen einer Gruppe.
  • Rollen: erwartetes Verhalten je nach Position in der Gruppe.
  • Deindividuation: Verlust der eigenen IdentitĂ€t in Gruppen → Anpassung an Gruppennormen (verstĂ€rkt durch Uniformen, Masken).
  • GruppenkohĂ€sion: StĂ€rke des Zusammenhalts.
  • Gruppendenken, Risiko-/Vorsichts-Shift etc.

Intergruppenprozesse

Sherif-Ferienlagerexperiment ("Robbers Cave")

  • Phase 1: Gruppenbildung (Adler, Klapperschlangen) → GruppenidentitĂ€t, Hierarchien.
  • Phase 2: Konkurrenzwettbewerbe → Intergruppenkonflikte, Aggression.
  • Phase 3: Befriedung durch gemeinsame Ziele (z. B. Wasserversorgung reparieren) → Kooperation.
  • Lehre: Konkurrenz erzeugt Konflikte; Kooperation/gemeinsame Ziele lösen sie.

Minimalgruppenparadigma (Tajfel)

  • Minimale Bedingungen fĂŒr Ingroup-Bevorzugung: bereits zufĂ€llige, willkĂŒrliche Gruppen reichen.
  • SchĂŒler bevorzugen Ingroup auch dann, wenn sie selbst nicht profitieren.
  • → Teil der Theorie der Sozialen IdentitĂ€t (Tajfel & Turner): positive soziale IdentitĂ€t durch positiven Vergleich Ingroup vs. Outgroup.

Stereotype, Vorurteile, Diskriminierung – die drei Komponenten der Voreingenommenheit

KomponenteBedeutung
Stereotypkognitive Komponente: Überzeugungen ĂŒber eine Gruppe
Vorurteilaffektive Komponente: GefĂŒhle gegenĂŒber einer Gruppe
DiskriminierungVerhaltens-Komponente: ungerechtfertigte Benachteiligung

Prosoziales Verhalten

  • Prosoziales Verhalten = jede helfende Handlung; nicht zwingend altruistisch.
  • Altruismus = uneigennĂŒtziges Helfen, selbstlos.

ErklÀrungsansÀtze:

  • Evolutionspsychologische ErklĂ€rung: Verwandtenhilfe (eigene Gene weitergeben).
  • Empathie-Altruismus-Hypothese (Toi & Batson): bei hoher Empathie helfen Menschen unabhĂ€ngig davon, ob sie sich der Situation entziehen können.
  • Soziale-Austausch-Theorie (Homans): Hilfe = Kosten-Nutzen-KalkĂŒl; wahrer Altruismus gibt es nicht.
  • Situative Determinanten:
  • Bystander-Effekt (Darley & LatanĂ©): Je mehr Zuschauende, desto unwahrscheinlicher hilft jemand. ErklĂ€rung: Verantwortungsdiffusion.
  • Pluralistische Ignoranz: Anwesende warten ab, schließen aus dem Verhalten der anderen, dass keine Hilfe nötig ist.
  • Bewertungsangst: Angst vor negativer Beurteilung durch andere.
  • Klassischer Fall: Mord an Kitty Genovese (1964).

C) Wichtige Personen/Experimente

  • Asch (KonformitĂ€t), Milgram (Gehorsam), Sherif (Ferienlager), Tajfel (Minimalgruppen), Bandura (auch hier, Modelllernen), LatanĂ© & Darley (Bystander), Toi & Batson (Empathie-Altruismus), Chartrand & Bargh (ChamĂ€leon-Effekt), Petty & Cacioppo (ELM), Strack & Deutsch (RIM), Cialdini (im Hintergrund: Judo-Strategien).

D) Zentrale ZusammenhÀnge

  • Sozialpsychologie betont Situation > Disposition – Gegenpol zur Persönlichkeitspsychologie.
  • Stereotype, Vorurteile, Diskriminierung = drei Komponenten ein und derselben Voreingenommenheit (kognitiv/affektiv/verhalten).
  • Tajfel zeigte: Gruppenbildung allein reicht fĂŒr Diskriminierung – minimaler Anlass genĂŒgt.
  • Milgram zeigte: gewöhnliche Menschen können unter AutoritĂ€tsdruck Schlimmes tun.
  • Zwei-Prozess-Modelle erklĂ€ren, warum wir manchmal kritisch, manchmal oberflĂ€chlich entscheiden.

E) Typische PrĂŒfungslogik

  • KonformitĂ€t: Welche Art von Einfluss in welcher Situation?
  • Bystander-Effekt erkennen.
  • Empathie-Altruismus vs. Soziale-Austausch unterscheiden.
  • Sherif vs. Tajfel: Was zeigt jedes Experiment?
  • Stereotyp ↔ Vorurteil ↔ Diskriminierung unterscheiden.
  • Welche Judo-Strategie liegt vor?
  • Asch- vs. Milgram-Experiment.
  • Zentrale vs. periphere Route im ELM.

F) Mini-MerksÀtze

  1. Sozialpsychologie betont situative EinflĂŒsse.
  2. Asch = KonformitÀt (LinienlÀngen-Experiment), Milgram = Gehorsam (StromschlÀge).
  3. KonformitÀt durch normativen ("das tut man") oder informationalen ("die anderen wissen es") sozialen Einfluss.
  4. Minderheiten brauchen vor allem Konsistenz.
  5. Sherif: Konflikte durch Konkurrenz; Lösung durch gemeinsame Ziele.
  6. Tajfel: schon willkĂŒrliche Gruppen reichen fĂŒr Diskriminierung.
  7. Stereotyp = Kognition, Vorurteil = Emotion, Diskriminierung = Verhalten.
  8. Bystander-Effekt: viele Anwesende = weniger Hilfe (Verantwortungsdiffusion).
  9. Empathie-Altruismus: Hilfe trotz leichtem Ausweg.
  10. ELM: zentrale (kritisch) vs. periphere (heuristisch) Route.
  11. Reaktanz: EinschrÀnkung erhöht AttraktivitÀt.

Selbsttest Kapitel 7 (aktive AbrufĂŒbung)

  1. ErklÀre den Unterschied zwischen normativem und informationalem Einfluss.
  2. Was zeigt das Asch-Experiment, was zeigt das Milgram-Experiment?
  3. Definiere: Stereotyp, Vorurteil, Diskriminierung.
  4. Welche Mechanismen erzeugen den Bystander-Effekt?
  5. Wann ist nach ELM die zentrale Route wahrscheinlicher?

Kurzcheck: Wenn du zu jeder Frage ein Beispiel aus Alltag oder Forschung nennen kannst, ist das Kapitel stabil gelernt.

Wiederholungsplan Kapitel 7

  • D1: Experimente Asch, Milgram, Sherif, Tajfel als 4er-Matrix notieren.
  • D3: Prosoziales Verhalten aus zwei Theorien gegeneinander argumentieren.
  • D7: ELM und RIM auf zwei Werbe-/Alltagsbeispiele anwenden.
  • D14: 12-Minuten-Selbstabfrage ohne Notizen.

TEIL 6 – Differentielle und Persönlichkeitspsychologie


Kapitel 8: Differentielle und Persönlichkeitspsychologie

A) Worum geht es?

WÀhrend die Allgemeine Psychologie Gemeinsamkeiten untersucht, fragt dieses Fach: Worin unterscheiden sich Menschen? Differentielle Psychologie vergleicht meist Personen/Gruppen miteinander; Persönlichkeitspsychologie beschreibt die Persönlichkeitsstruktur des Individuums. Beide hÀngen so eng zusammen, dass sie meist gemeinsam unterrichtet werden.

B) Die wichtigsten Konzepte

Persönlichkeit = Gesamtheit der stabilen Eigenschaften, die eine Person typisieren.

  • Interindividuelle Unterschiede: zwischen Personen.
  • Intraindividuelle Unterschiede: innerhalb einer Person, ĂŒber die Zeit.
  • Trait (Eigenschaft): zeitlich stabil, situationsĂŒbergreifend (z. B. allgemeine Ängstlichkeit).
  • State (Zustand): vorĂŒbergehend, situationsspezifisch (z. B. konkrete Angst vor einer PrĂŒfung).
  • State-Trait-Modell der Angst (Spielberger): Trait-Angst = Disposition; State-Angst = aktueller Zustand.
  • Furcht (konkretes Objekt, rational) vs. Ängstlichkeit (diffus, irrationaler).

Theorien der Persönlichkeit

Trait-Theorien

Galens Temperamentenlehre → Eysencks Persönlichkeitsdimensionen

  • Eysenck reduzierte Persönlichkeit auf zwei Dimensionen: Extraversion vs. Introversion und StabilitĂ€t vs. LabilitĂ€t (Neurotizismus).
  • Verbindet sich mit Galens vier Temperamenten (siehe Diagramm):
  • Phlegmatiker = stabil + introvertiert
  • Sanguiniker = stabil + extravertiert
  • Melancholiker = labil + introvertiert
  • Choleriker = labil + extravertiert

Big-Five-Modell (Goldberg; McCrae & Costa)

  • Heute dominierend in der psychologischen Persönlichkeitsforschung.
  • Lexikalischer Ansatz: aus ca. 18.000 Eigenschaftsbegriffen abgeleitet.
  • FĂŒnf Dimensionen (OCEAN):
  • Openness to experience (Offenheit fĂŒr Erfahrungen)
  • Conscientiousness (Gewissenhaftigkeit)
  • Extraversion (Extraversion)
  • Agreeableness (VertrĂ€glichkeit)
  • Neuroticism (Neurotizismus)
  • Dimensional statt typologisch: jede:r kann auf jeder Dimension unterschiedlich ausgeprĂ€gt sein.
  • Erfasst mit dem NEO-Persönlichkeitsinventar (NEO-PI-R).

HEXACO-Modell: Erweiterung um Honesty-Humility (Ehrlichkeit-Bescheidenheit).

Psychodynamische Theorie der Persönlichkeit (Freud)

  • Es (Lustprinzip, Triebe, unbewusst) – Ich (RealitĂ€tsprinzip, Vermittler) – Über-Ich (MoralitĂ€tsprinzip, internalisierte Normen).
  • Verortet im Eisbergmodell (bewusste und unbewusste Prozesse).
  • Heute in der wissenschaftlichen Forschung kaum noch zentral, aber historisch wichtig.

Humanistische Theorien

  • Kernannahmen: PhĂ€nomenologie, subjektive Wahrnehmung prĂ€gt Erleben, Empathie-Prinzip, Selbstkonzept, Streben nach Selbstverwirklichung.
  • Carl Rogers: Therapeut:innen brauchen Kongruenz (Echtheit), bedingungslose Akzeptanz, Empathie.
  • Abraham Maslow: BedĂŒrfnispyramide – physiologische → Sicherheit → Zugehörigkeit/Liebe → Achtung → Selbstverwirklichung. Höhere BedĂŒrfnisse erst nach Befriedigung tieferer.
  • Charlotte BĂŒhler: MitbegrĂŒnderin der humanistischen Psychologie in den USA; vier Grundtendenzen (Zufriedenheit, Sicherheit, Selbstentfaltung, innere Ordnung). Auch wichtige Entwicklungs- und Gerontopsychologin.

Soziale Lerntheorien & Kognitive Theorien

  • Julian Rotter: Verhaltenspotenzial = f(Erwartung × VerstĂ€rkungswert). KontrollĂŒberzeugungen: internal (Ereignisse als Folge eigenen Verhaltens) vs. external (Ereignisse durch Außenfaktoren).
  • Albert Bandura: Beobachtungslernen (auch Kap. 5); Selbstwirksamkeit (self-efficacy) = Überzeugung, eine Aufgabe meistern zu können.
  • Walter Mischel: Marshmallow-Test – Selbstkontrolle und Belohnungsaufschub bei 3,5- bis 6-JĂ€hrigen sagt spĂ€teres Verhalten/Erfolg voraus.
  • George Kelly: Psychologie der persönlichen Konstrukte – jede Person hat individuelle mentale Konstrukte. Rep-Test (Role Construct Repertory Test): Bezugspersonen (Elemente) → Konstrukte aus Vergleichen abgeleitet.

Persönlichkeitsdiagnostik

Drei Informationsquellen (Cattell)

  • L-Daten (Life-record data): Biographie/Alltag
  • Q-Daten (Questionnaire data): Selbstberichte
  • T-Daten (Test data): objektive Tests

HauptgĂŒtekriterien: ObjektivitĂ€t, ReliabilitĂ€t, ValiditĂ€t (vgl. Kap. 3).

Verfahrenstypen:

  1. Persönlichkeitsfragebögen (Q-Daten, Selbstberichte)
  • MMPI-2 (Minnesota Multiphasic Personality Inventory): klinisch-psychologisch, 567 dichotome Items.
  • NEO-PI-R: Big Five, 240 Items, 30 Facetten, fĂŒnfstufige Skala. Form S (selbst), Form F (fremd).
  • FPI-R (Freiburger Persönlichkeitsinventar): 10 Standardskalen + 2 SekundĂ€rskalen (Extraversion, EmotionalitĂ€t), 138 Items, dichotom.
  • Vorteile: ökonomisch, viele Merkmale erfasst, Normwerte.
  • Nachteile: Selbsteinsicht nötig, VerfĂ€lschbarkeit, soziale ErwĂŒnschtheit.
  1. Psychologisch-diagnostisches Interview
  1. Verhaltensbeobachtung und -beurteilung (L-Daten)
  • Varianten: unsystematisch vs. systematisch; Labor vs. Feld; teilnehmend vs. nicht-teilnehmend; direkt vs. indirekt; selbst vs. fremd.
  1. Objektive Persönlichkeitstests (OPT) (T-Daten)
  • Hochstandardisierte Aufgaben, in denen fĂŒr die Person nicht erkennbar ist, was gemessen wird → keine face validity = Vorteil.
  • Erste Generation: Cattell.
  • Zweite Generation: computergestĂŒtzt.
  • Implizite Assoziationstests (IAT) (Greenwald): Reaktionszeiten beim Zuordnen von Konzepten → RĂŒckschluss auf Einstellungen, Stereotype, Selbstkonzept. Bekanntes Beispiel: Selbstwert-IAT.
  • Schwer verfĂ€lschbar; aber meist niedrige ReliabilitĂ€t und geringe Übereinstimmung mit Fragebogenmaßen.
  1. Projektive Tests
  • Reaktion auf mehrdeutige Items → Persönlichkeit wird in die Deutung "projiziert".
  • Rorschach-Test: Tintenklecks-Deutung (Form-Deute-Verfahren).
  • Thematischer Apperzeptionstest (TAT): dramatische Geschichten zu Bildern erfinden (verbal-thematisches Verfahren).
  • Baum-Test (zeichnerisches Verfahren).
  • Heute ĂŒberwiegend negativ beurteilt: kaum den GĂŒtekriterien gerecht, eher als dialogisches Werkzeug in der Klinik nĂŒtzlich.

C) Wichtige Personen, Modelle

  • Galen (Temperamente), Eysenck (Persönlichkeitsdimensionen), Cattell (L/Q/T-Daten), Costa & McCrae (Big Five, NEO-PI), Goldberg (lexikalischer Ansatz), Freud (Es/Ich/Über-Ich), Rogers, Maslow, Charlotte BĂŒhler, Rotter (KontrollĂŒberzeugungen), Bandura (Selbstwirksamkeit), Mischel (Marshmallow-Test), Kelly (persönliche Konstrukte), Greenwald (IAT), Rorschach, Murray (TAT).

D) Zentrale ZusammenhÀnge

  • Persönlichkeitsmodelle haben sich historisch entwickelt: Galen → Eysenck → Big Five.
  • Trait-Theorien (deskriptiv) vs. dynamische/humanistische/lerntheoretische AnsĂ€tze (erklĂ€rend).
  • Persönlichkeit ↔ Methodik: ohne valide Tests keine Persönlichkeitsdiagnostik (siehe Kap. 3 GĂŒtekriterien).
  • Differentielle Psychologie nutzt Referenzpopulationen, um individuelle AusprĂ€gung einzuordnen.
  • Lerntheorien (Kap. 5) + Persönlichkeit ĂŒberlappen (Bandura, Rotter).

E) Typische PrĂŒfungslogik

  • Big Five auswendig (OCEAN).
  • Eysenck-Dimensionen × Galens Temperamente.
  • Trait vs. State.
  • Maslow-Pyramidenstufen.
  • Rogers' drei Begriffe: Kongruenz, bedingungslose Akzeptanz, Empathie.
  • L-, Q-, T-Daten zuordnen.
  • Welcher Test misst was?
  • Rorschach vs. NEO-PI vs. IAT vergleichen.
  • Internal vs. external KontrollĂŒberzeugung.

F) Mini-MerksÀtze

  1. Differentielle Psychologie = Unterschiede zwischen/innerhalb Personen.
  2. Trait = stabil, situationsĂŒbergreifend; State = vorĂŒbergehend.
  3. Big Five = OCEAN: Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, VertrÀglichkeit, Neurotizismus.
  4. Eysenck: Extraversion × StabilitĂ€t → vier Temperamente.
  5. Freuds Strukturmodell: Es – Ich – Über-Ich.
  6. Maslow-Pyramide: physiologisch → Sicherheit → Zugehörigkeit → Achtung → Selbstverwirklichung.
  7. Rogers: Kongruenz, bedingungslose Akzeptanz, Empathie.
  8. Rotter: Verhaltenspotenzial = f(Erwartung × VerstĂ€rkungswert).
  9. Cattell-Datenarten: L (Leben), Q (Fragebogen), T (Test).
  10. HauptgĂŒtekriterien: ObjektivitĂ€t, ReliabilitĂ€t, ValiditĂ€t.
  11. IAT misst implizite Einstellungen ĂŒber Reaktionszeit.
  12. Projektive Tests: gute Idee, schlechte GĂŒtekriterien.

Selbsttest Kapitel 8 (aktive AbrufĂŒbung)

  1. Erklaere Trait vs. State mit einem Pruefungsbeispiel.
  2. Zaehle OCEAN auswendig auf und gib je ein Verhaltensbeispiel.
  3. Worin unterscheiden sich Freud, Rogers und Rotter im Menschenbild?
  4. Warum sind Objektivitaet, Reliabilitaet und Validitaet nicht dasselbe?
  5. Nenne je einen Vorteil und einen Nachteil von Frageboegen, Interviews und projektiven Tests.

Kurzcheck: Wenn du Theorie + Diagnostik sauber trennen und verknĂŒpfen kannst, ist Kapitel 8 prufungsfit.

Wiederholungsplan Kapitel 8

  • D1: OCEAN, Eysenck, Freud, Rogers als Vergleichstabelle lernen.
  • D3: Diagnostikverfahren mit den 3 Guetekriterien durchgehen.
  • D7: 10 Mischfragen zu Kapitel 6-8 beantworten.
  • D14: Abschlusstest mit Zeitlimit (20 Minuten).

TEIL 7 – Begriffslexikon (A–Z)

Die wichtigsten Begriffe fĂŒr das GrundverstĂ€ndnis und die PrĂŒfungsvorbereitung. Bei jedem Begriff: kurze Definition, einfache ErklĂ€rung, ggf. Beispiel, Kapitelangabe.


AbhÀngige Variable (AV)
diejenige Variable, die in einem Experiment gemessen wird und vermutlich von der UV beeinflusst wird. Beispiel: Reaktionszeit nach Schlafentzug. (Kap. 3)
Absolutschwelle
kleinste ReizintensitÀt, die in 50 % der FÀlle wahrgenommen werden kann. (Kap. 5)
Affektives Priming
emotionaler Hinweisreiz beeinflusst die Verarbeitung eines folgenden Zielreizes. (Kap. 7)
Akkommodation (Piaget)
bestehende Schemata werden an neue Informationen angepasst (z. B. Kind lernt: nicht jedes vierbeinige Felltier ist ein Hund). (Kap. 6)
Akkommodation (Auge)
VerÀnderung der Linsenwölbung, um nahe Objekte scharf zu sehen. (Kap. 4, 5)
Aktionspotenzial
kurzzeitige, massive Umkehrung des Membranpotenzials (~−70 mV → +50 mV), folgt dem Alles-oder-Nichts-Gesetz. (Kap. 4)
Alles-oder-Nichts-Gesetz
ein Aktionspotenzial wird entweder voll ausgelöst oder gar nicht. (Kap. 4)
Alltagspsychologie
Laienannahmen ĂŒber Erleben und Verhalten; fehleranfĂ€llig durch Heuristiken und Verzerrungen. (Kap. 3)
Amnesie
Verlust der ErinnerungsfĂ€higkeit (retrograd = rĂŒckwĂ€rts; anterograd = neue Inhalte nicht mehr speicherbar). (Kap. 5)
Anlage-Umwelt-Debatte
Frage, ob Verhalten/Entwicklung eher genetisch oder umweltbedingt ist. Piaget kombinierte beides. (Kap. 6)
AnwendungsfÀcher
Bereiche, in denen psychologisches Wissen praktisch genutzt wird (Klinische, PĂ€dagogische, AOW-, Gesundheitspsychologie, Diagnostik). (Kap. 1)
APA (American Psychological Association)
weltweit grĂ¶ĂŸte psychologische Fachgesellschaft, 1892 gegrĂŒndet (Granville Stanley Hall); formuliert 5 ethische GrundsĂ€tze. (Kap. 1, 2)

ArbeitsgedĂ€chtnis (Baddeley & Hitch) – aktives Kurzzeitsystem mit zentraler Exekutive, phonologischer Schleife, visuell-rĂ€umlichem Notizblock, episodischem Puffer. (Kap. 5)

Archetypus (Jung) – ursprĂŒngliche Vorstellungen/Urbilder im kollektiven Unbewussten. (Kap. 2)

Arithmetisches Mittel (M)
Summe aller Werte geteilt durch deren Anzahl. Empfindlich fĂŒr Ausreißer. (Kap. 3)

Assimilation (Piaget) – neue Information wird in bestehendes Schema eingeordnet. (Kap. 6)

Assoziatives Netzwerk
VerknĂŒpfungen zwischen mentalen Konzepten. (Kap. 7)
Aufmerksamkeit
Filter, der relevante von irrelevanten Reizen trennt; endogen (innengesteuert) vs. exogen (außengesteuert). (Kap. 5)

Aufforderungscharakter / Valenz (Lewin) – wahrgenommene Aufforderungswirkung von Objekten/Situationen. (Kap. 2)

Augustinus (354–430) – Kirchenvater; Körper und Seele zusammengehörig, aber Seele höherwertig. (Kap. 2)

Autonomes Nervensystem
Teil des PNS, unwillkĂŒrlich (Sympathikus = Aktivierung, Parasympathikus = Beruhigung). (Kap. 4)
Axon
Fortsatz des Neurons, leitet das Aktionspotenzial weg vom Zellkörper. (Kap. 4)
Balancieren
Störvariablen so verteilen, dass sie sich in den Bedingungen ausgleichen. (Kap. 3)
Bandura, Albert
Modelllernen, Bobo-Doll-Experimente, Selbstwirksamkeit. (Kap. 2, 5, 8)

Bedingungslose Akzeptanz (Rogers) – Klient:innen so akzeptieren, wie sie sind. (Kap. 8)

BedĂŒrfnispyramide (Maslow) – fĂŒnf Stufen menschlicher BedĂŒrfnisse, von physiologisch bis Selbstverwirklichung. (Kap. 8)

Behaviorismus
Schule der Psychologie, die nur beobachtbares Verhalten als Forschungsgegenstand akzeptiert. (Kap. 1, 2, 5)
Beobachtungslernen / Modelllernen
Lernen durch Beobachten anderer Personen. (Kap. 5, 8)
BestÀtigungsfehler (Confirmation Bias)
Tendenz, bestÀtigende Informationen stÀrker zu gewichten. (Kap. 3)
Between-Subjects-Design
verschiedene Gruppen fĂŒr verschiedene Bedingungen. (Kap. 3)
Big Five (FĂŒnf-Faktoren-Modell)
OCEAN: Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, VertrÀglichkeit, Neurotizismus. (Kap. 8)
Bindung
emotionale Verbindung zu nahestehenden Personen (Bowlby). (Kap. 6)
Black Box
im Behaviorismus: die nicht beobachtbaren mentalen Prozesse zwischen Reiz und Reaktion. (Kap. 2)

Bobo-Doll-Experiment (Bandura) – Kinder ahmen aggressives Verhalten eines Modells nach. (Kap. 5)

Broca-Areal
Hirnregion im linken Frontallappen fĂŒr Sprachproduktion. (Kap. 4)
Bystander-Effekt
je mehr Anwesende, desto unwahrscheinlicher hilft jemand. ErklÀrung: Verantwortungsdiffusion. (Kap. 7)
Calkins, Mary Whiton
erste weibliche APA-PrÀsidentin (1905). (Kap. 2)
ChamÀleon-Effekt
unbewusste Nachahmung nonverbalen Verhaltens. (Kap. 7)
Chunking
Gruppieren von Informationen zu Einheiten, um ArbeitsgedÀchtnis zu entlasten. (Kap. 5)
Cerebellum (Kleinhirn)
Motorik, Koordination. (Kap. 4)
Cerebraler Cortex
Großhirnrinde, Ă€ußere Schicht. (Kap. 4)
Corpus callosum (Balken)
verbindet beide GroßhirnhemisphĂ€ren. (Kap. 4)
Corpus geniculatum laterale (CGL)
Schaltstation im Thalamus fĂŒr visuelle Information. (Kap. 4)
Darwinismus
Evolution durch Selektion; "Survival of the Fittest" = beste Anpassung. (Kap. 2)
Deindividuation
Verlust der individuellen IdentitÀt in Gruppen (verstÀrkt durch Uniformen, AnonymitÀt). (Kap. 7)
Dendriten
EmpfangsfortsÀtze des Neurons. (Kap. 4)
Depolarisation
Membranpotenzial wird weniger negativ. (Kap. 4)
Descartes, René
Rationalist, Dualismus, "cogito ergo sum", ZirbeldrĂŒse. (Kap. 2)
Deskriptive Statistik
beschreibende Statistik (HĂ€ufigkeiten, Maße zentraler Tendenz, Streuung, Zusammenhang). (Kap. 3)
Diagnostische Verfahren
Methoden zur Erfassung von Persönlichkeit und FÀhigkeiten. (Kap. 8)
Differentielle Psychologie
Wissenschaft von Unterschieden zwischen Menschen. (Kap. 1, 8)
Dichotom
Variable mit nur zwei AusprÀgungen (ja/nein). (Kap. 3)
Diskriminierung
ungerechtfertigte Benachteiligung aufgrund von Voreingenommenheit (Verhaltenskomponente). (Kap. 7)
Dispositionale Faktoren
stabile Personenmerkmale (Gene, Persönlichkeit, FÀhigkeiten). (Kap. 1)
Dissoziation, doppelte
SchĂ€digungsmuster: A geht, B nicht & B geht, A nicht → zwei getrennte Prozesse. (Kap. 5)

Drei-Speicher-Modell (Atkinson & Shiffrin) – sensorischer → Kurzzeit- → Langzeitspeicher. (Kap. 5)

Dualismus
Annahme zweier Substanzen (Körper + Seele/Geist). (Kap. 2)
Dual-Task-Paradigma
Doppelaufgabe; zeigt Subkomponenten kognitiver Systeme. (Kap. 5)
Ebbinghaus, Hermann
sinnlose Silben, Vergessenskurve, experimentelle GedÀchtnisforschung. (Kap. 2, 5)
Eklektischer Ansatz
Kombination mehrerer theoretischer Perspektiven. (Kap. 1)
Elaboration-Likelihood-Modell (ELM)
zentrale (kritisch) vs. periphere (heuristisch) Route. (Kap. 7)
Empathie
FĂ€higkeit, sich in andere hineinzuversetzen. (Kap. 7, 8)
Empathie-Altruismus-Hypothese
Empathie fĂŒhrt zu unbedingtem Helfen. (Kap. 7)
Empirismus
Erfahrung als Quelle der Erkenntnis (im Kontrast zum Rationalismus). (Kap. 2)
EnkodierspezifitÀt
besserer Abruf, wenn Abruf- und Lernkontext Àhnlich. (Kap. 5)
Episodisches GedÀchtnis
persönliche Erlebnisse, raumzeitlich verankert. (Kap. 5)
Erikson, Erik
8 Stufen der psychosozialen Entwicklung. (Kap. 6)
Es / Ich / Über-Ich
Freuds Strukturmodell der Persönlichkeit. (Kap. 2, 8)
Ethische GrundsÀtze (APA)
WohltÀtigkeit, LoyalitÀt, IntegritÀt, Gerechtigkeit, Respekt. (Kap. 1)
Experiment
Forschungsmethode mit systematischer Variation der UV und Kontrolle von Störvariablen; einzige Methode fĂŒr Kausalschluss. (Kap. 3)
Externale KontrollĂŒberzeugung
Ereignisse werden auf Ă€ußere Faktoren zurĂŒckgefĂŒhrt (Rotter). (Kap. 8)
Externe ValiditÀt
Übertragbarkeit auf andere Personen/Situationen. (Kap. 3)
Extraversion vs. Introversion
Persönlichkeitsdimension; in Big Five enthalten. (Kap. 8)
Eysenck, Hans
Persönlichkeitsdimensionen Extraversion und StabilitÀt-LabilitÀt. (Kap. 8)
Facette
Subskala innerhalb einer ĂŒbergeordneten Persönlichkeitsskala (z. B. im NEO-PI-R). (Kap. 8)
False-Belief-Aufgabe / Maxi-Aufgabe
Test fĂŒr Theory of Mind (Wimmer & Perner). (Kap. 6)
Farbfehlsichtigkeit
Rot-GrĂŒn-SchwĂ€che am hĂ€ufigsten; X-chromosomal rezessiv vererbt. (Kap. 4)
Fechner, Gustav Theodor
begrĂŒndete die Psychophysik. (Kap. 2, 5)

Feldtheorie (Lewin) – Verhalten = f(Person × Umwelt). (Kap. 2)

Fovea
Ort des schĂ€rfsten Sehens auf der Retina, ausschließlich Zapfen. (Kap. 4)
Freud, Sigmund
Psychoanalyse, Strukturmodell der Persönlichkeit, Unbewusstes. (Kap. 2, 8)
Frontallappen
Planung, Persönlichkeit, Sozialverhalten, Sprache (Broca). (Kap. 4)
Funktionalismus
Funktion mentaler ZustÀnde im Vordergrund (vs. Strukturalismus). (Kap. 2)
GABA
wichtigster inhibitorischer Neurotransmitter. (Kap. 4)
Galen
Vier-SĂ€fte-/Temperamentenlehre. (Kap. 2, 8)
Galls Phrenologie
Charakter aus SchĂ€delform – wissenschaftlich ĂŒberholt. (Kap. 2)
Gegenfarbentheorie (Hering)
Rot-GrĂŒn, Blau-Gelb, Schwarz-Weiß als Gegensatzpaare. (Kap. 5)
Generalisierung (Reizgeneralisierung)
Àhnliche Reize lösen Àhnliche Reaktion aus. (Kap. 5)
Gestaltgesetze
NĂ€he, Ähnlichkeit, gute Fortsetzung, Geschlossenheit. (Kap. 2)
Gestaltpsychologie
"Das Ganze ist etwas Anderes als die Summe seiner Teile." (Kap. 2)
Glutamat
wichtigster exzitatorischer Neurotransmitter. (Kap. 4)
Grundgesamtheit / Population
alle FĂ€lle, ĂŒber die Aussagen getroffen werden sollen. (Kap. 3)
GrundlagenfÀcher
fĂŒnf zentrale Bereiche der Psychologie (Bio, Allg, Entw, Soz, Diff/Pers). (Kap. 1)
GruppenkohÀsion
StÀrke des Zusammenhalts in einer Gruppe. (Kap. 7)
Habituation
Gewöhnung an wiederholten Reiz; Reaktion nimmt ab. (Kap. 5)
HemisphĂ€ren (Großhirn)
linke und rechte GroßhirnhĂ€lften. (Kap. 4)
Heinz-Dilemma
moralisches Dilemma zur Untersuchung der Moralentwicklung (Kohlberg). (Kap. 6)
Hermeneutik
Methode des Verstehens (Dilthey). (Kap. 2)
Heuristik
Faustregel; schnelles, aber fehleranfÀlliges Urteilen. (Kap. 3)
Hippokrates
Vier-SĂ€fte-Lehre. (Kap. 2)
Hypothese
prĂ€zise, prĂŒfbare Vermutung. (Kap. 3)
Hypothalamus
Hunger, Schlaf, SexualitÀt, Hormonsteuerung. (Kap. 4)
Ich, Es, Über-Ich
Freud (s. o.). (Kap. 2, 8)
Implizites GedÀchtnis
non-deklaratives, unbewusstes GedÀchtnis. (Kap. 5)
Impliziter Assoziationstest (IAT)
Reaktionszeiten beim Zuordnen → implizite Einstellungen. (Kap. 8)
Inflammaging
chronische niedriggradige EntzĂŒndung im Alter. (Kap. 6)
Informationaler sozialer Einfluss
andere als Informationsquelle nutzen. (Kap. 7)
Ingroup vs. Outgroup
eigene vs. fremde Gruppe. (Kap. 7)
Intelligenz
Hier nur am Rand: Intervallskala, schwer operationalisierbar. (Kap. 3)
Internale KontrollĂŒberzeugung
Ereignisse als Folge eigenen Verhaltens (Rotter). (Kap. 8)
Interne ValiditÀt
Eindeutigkeit des Kausalschlusses. (Kap. 3)
Interferenz, proaktive
Altes stört Neues. Retroaktive – Neues stört Altes. (Kap. 5)
Intergruppenkonflikt
Konflikt zwischen Gruppen; Intragruppenkonflikt – innerhalb einer Gruppe. (Kap. 7)
Intervallskala
Rangordnung + gleiche AbstĂ€nde, aber kein natĂŒrlicher Nullpunkt. (Kap. 3)
Introspektion
Selbstbeobachtung des eigenen Erlebens. (Kap. 2)
Invarianzprinzip
Erkenntnis, dass Mengen/Volumina trotz FormÀnderung gleich bleiben (Piaget). (Kap. 6)
James, William
BegrĂŒnder der amerikanischen Psychologie, Funktionalismus. (Kap. 2)
Jung, Carl Gustav
Analytische Psychologie, kollektives Unbewusstes, Archetypen. (Kap. 2)
KausalitÀt
Ursache-Wirkungs-Beziehung; verlangt Kovariation + zeitliche Abfolge + Ausschluss anderer Ursachen. (Kap. 3)
Klassische Konditionierung
Lernen durch Reizkopplung (Pawlow, Watson). (Kap. 5)
Kognition
mentale FÀhigkeiten/Prozesse (Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, GedÀchtnis, Denken, Problemlösen). (Kap. 1, 5)
Kognitive Verzerrung
systematische fehlerhafte Tendenzen beim Denken/Urteilen. (Kap. 3)
Kognitive Wende
Aufstieg der kognitiven Psychologie ab 1970er Jahren. (Kap. 2)
Kohlberg, Lawrence
Stufenmodell der moralischen Entwicklung. (Kap. 6)

Kollektives Unbewusstes (Jung) – Wissensspeicher der Menschheit. (Kap. 2)

KonformitÀt
Anpassung an Mehrheitsmeinung (Asch). (Kap. 7)
Konfundierung
Störvariable kovariiert mit UV und AV. (Kap. 3)

Kongruenz (Rogers) – Echtheit des Therapeuten. (Kap. 8)

Konnektionismus
neuronale Netze als Modell der Informationsverarbeitung. (Kap. 2)
Konstanthalten
Störvariablen werden in allen Bedingungen gleich gehalten. (Kap. 3)
Konstruktivismus
Kinder konstruieren ihr Wissen selbst (Piaget). (Kap. 6)
Kontrastprinzip
Bewertung hÀngt vom Vergleichsstandard ab. (Kap. 7)
Kontrolliertes Denken
bewusst, langsam, ressourcenintensiv. (Kap. 7)
KontrollĂŒberzeugung (locus of control)
internal vs. external (Rotter). (Kap. 8)
Konvergenz
Augenbewegung nach innen beim Nahsehen. (Kap. 5)
Korrelation
statistischer Zusammenhang zweier Variablen; r zwischen −1 und +1. (Kap. 3)
Kovariation
gemeinsames Variieren zweier Variablen; nicht gleich KausalitÀt. (Kap. 3)
Kybernetik
Steuerungslehre, beeinflusste die kognitive Psychologie. (Kap. 2)
LangzeitgedÀchtnis
nahezu unbegrenzte KapazitÀt; explizit (semantisch/episodisch) vs. implizit. (Kap. 5)
Lavater, Johann Caspar
Physiognomik (Charakter aus Gesicht). (Kap. 2)

Lernen (psychologisch) – durch Erfahrung entstandene, relativ ĂŒberdauernde VerhaltensĂ€nderungen. (Kap. 5)

Lewin, Kurt
Feldtheorie, Gestaltpsychologie, soziale Psychologie. (Kap. 2)
Lokalisationsforschung
Zuordnung von Funktionen zu Hirnregionen. (Kap. 4)
Löschung / Extinktion
Verschwinden einer konditionierten Reaktion ohne VerstÀrkung/UCS. (Kap. 5)
MMPI-2
klinisch-psychologisches Persönlichkeitsinventar mit 567 dichotomen Items. (Kap. 8)
Marshmallow-Test
Mischels Test zu Belohnungsaufschub und Selbstkontrolle. (Kap. 8)
Maslow, Abraham
BedĂŒrfnispyramide, humanistische Psychologie. (Kap. 8)
Median
mittlerer Wert in einer geordneten Reihe; robust gegen Ausreißer. (Kap. 3)
Membranpotenzial
Spannungsdifferenz an der Zellmembran; Ruhepotenzial bei −70 mV. (Kap. 4)
MethodenfÀcher
Werkzeuge der Psychologie: Methodenlehre, Statistik, Wissenschaftstheorie, Ethik. (Kap. 1)
Milgram-Experiment
Gehorsam gegenĂŒber AutoritĂ€t; 65 % gingen bis 450 V. (Kap. 7)
Millersche Zahl
KapazitÀt des ArbeitsgedÀchtnisses: 7 ± 2. (Kap. 5)

Minimalgruppenparadigma (Tajfel) – schon willkĂŒrliche Gruppenbildung fĂŒhrt zu Ingroup-Bevorzugung. (Kap. 7)

Modalwert
hÀufigster Wert. (Kap. 3)
Monismus
Annahme einer Substanz (Körper und Geist als Einheit). (Kap. 2)
Monokulare/binokulare Tiefenhinweise
Tiefe mit einem/zwei Augen wahrnehmen. (Kap. 5)
MĂŒller-Zellen
spezielle Gliazellen in der Retina, leiten Licht. (Kap. 4)
Myelin / Myelinscheide
Fettschicht um Axone; ermöglicht saltatorische Erregungsleitung. (Kap. 4)
NEO-PI-R
Big-Five-basierter Persönlichkeitsfragebogen. (Kap. 8)
Negative Bestrafung
angenehmer Reiz wird entzogen → Verhalten unwahrscheinlicher. (Kap. 5)
Negative VerstÀrkung
unangenehmer Reiz wird entzogen → Verhalten wahrscheinlicher. (Kap. 5)
Neobehaviorismus
berĂŒcksichtigt Organismusvariable (mentale Variable). (Kap. 2)
Nervensystem
ZNS + PNS; ZNS = Gehirn + RĂŒckenmark. (Kap. 4)
Neurotransmitter
chemische Botenstoffe an chemischen Synapsen. (Kap. 4)
Nominalskala
nur Gleichheit/Verschiedenheit. (Kap. 3)
Normativer sozialer Einfluss
Anpassung, um nicht aufzufallen. (Kap. 7)
ObjektivitÀt
HauptgĂŒtekriterium: UnabhĂ€ngigkeit von der Versuchsleitung. (Kap. 3, 8)
Objektive Persönlichkeitstests (OPT)
Aufgaben, deren Messziel verborgen bleibt. (Kap. 8)
Objektpermanenz
VerstÀndnis, dass Objekte weiter existieren, auch wenn unsichtbar. (Kap. 6)

Ödipuskomplex (Freud) – RivalitĂ€t gegenĂŒber dem gleichgeschlechtlichen Elternteil. (Kap. 2)

Okzipitallappen
Sehen. (Kap. 4)
Operante Konditionierung
Lernen durch Konsequenzen (Skinner). (Kap. 5)
Operationalisierung
Festlegen, wie ein abstraktes Merkmal messbar gemacht wird. (Kap. 3)
Ordinalskala
Rangordnung, aber keine gleichen AbstÀnde. (Kap. 3)
Orientierungssensitive Zellen
reagieren auf bestimmte Orientierung visueller Reize (V1). (Kap. 4)
Outgroup
fremde Gruppe; oft diskriminiert. (Kap. 7)
Paradigma
vorherrschendes Denkmuster; bei Paradigmenwechsel verschiebt es sich. (Kap. 2)
Parietallappen
Tastsinn, Sensumotorik. (Kap. 4)
Pawlow, Iwan
klassische Konditionierung (Reflexologie). (Kap. 2, 5)

Periphere Route (ELM) – heuristische, oberflĂ€chliche Informationsverarbeitung. (Kap. 7)

Persönlichkeit
Gesamtheit stabiler Eigenschaften einer Person. (Kap. 8)
Phineas Gage
berĂŒhmte Hirnverletzung am Frontallappen → PersönlichkeitsverĂ€nderung. (Kap. 4)
Phonologische Schleife
Sprachverarbeitungs-Subsystem des ArbeitsgedÀchtnisses. (Kap. 5)
Phrenologie
ĂŒberholte Lehre: Hirnfunktionen aus SchĂ€delform. (Kap. 2)
Piaget, Jean
kognitive Entwicklungstheorie mit 4 Stadien. (Kap. 6)
Platon
idealistischer Dualismus, drei Teilseelen. (Kap. 2)
Pluralistische Ignoranz
Anwesende deuten PassivitÀt anderer als "keine Hilfe nötig". (Kap. 7)
Population
Grundgesamtheit (s. o.). (Kap. 3)
Positive Bestrafung
unangenehmer Reiz wird hinzugefĂŒgt → Verhalten unwahrscheinlicher. (Kap. 5)
Positive VerstÀrkung
angenehmer Reiz wird hinzugefĂŒgt → Verhalten wahrscheinlicher. (Kap. 5)
Positivismus
nur ĂŒberprĂŒfbare Tatsachen gelten als wissenschaftlich (Comte). (Kap. 2)
Priming
unbewusste Aktivierung von GedÀchtnisinhalten durch einen Hinweisreiz. (Kap. 7)
PrimÀrer visueller Cortex (V1)
erste Verarbeitungsstation der Sehinformation im Okzipitallappen. (Kap. 4)
PrimÀre/sekundÀre Geschlechtsmerkmale
Geschlechtsorgane / Ă€ußere Reifezeichen. (Kap. 6)
PrimÀre/sekundÀre VerstÀrker
biologisch relevant / erlernt. (Kap. 5)
Projektive Tests
Persönlichkeit aus Deutung mehrdeutiger Reize (Rorschach, TAT). (Kap. 8)
Prosoziales Verhalten
jede helfende Handlung. (Kap. 7)
Prototyp
typischster Vertreter einer Kategorie. (Kap. 7)

Psychoanalyse (Freud) – tiefenpsychologische Schule. (Kap. 2)

Psychodynamischer Ansatz
betont unbewusste Prozesse und Kindheitserfahrungen. (Kap. 1)
Psychologie
Wissenschaft vom Erleben und Verhalten des Menschen, inkl. Kognition. (Kap. 1)

Psychophysik (Fechner) – Beziehung zwischen physischem Reiz und subjektiver Empfindung. (Kap. 2, 5)

Quasi-Experiment
Studie ohne Randomisierung. (Kap. 3)
Querdisparation
kleine Bildunterschiede zwischen den Augen → Tiefenwahrnehmung. (Kap. 5)
Randomisierung
zufÀllige Zuweisung zu Bedingungen; wichtigste Methode zur Störvariablen-Kontrolle. (Kap. 3)
Ranvier-SchnĂŒrringe
unmyelinisierte Stellen am Axon → saltatorische Erregungsleitung. (Kap. 4)
Rationalismus
Vernunft als Erkenntnisquelle (Descartes). (Kap. 2)
Reaktanz
aversiver Zustand, wenn Freiheit eingeschrĂ€nkt wird; fĂŒhrt zu Trotzreaktion. (Kap. 7)
Reflektiv-Impulsiv-Modell (RIM)
reflektives vs. impulsives System (Strack & Deutsch). (Kap. 7)
RefraktÀrphase
Zeit nach Aktionspotenzial, in der kein neues ausgelöst werden kann. (Kap. 4)
ReliabilitÀt
Messgenauigkeit, ZuverlÀssigkeit. (Kap. 3)
Replikation
Wiederholung einer Studie; Replikationskrise = viele Befunde nicht replizierbar. (Kap. 3)
ReprÀsentativitÀt
Stichprobe spiegelt Population wider. (Kap. 3)
ReziprozitÀtsnorm
Geben und Nehmen sollen im Gleichgewicht stehen. (Kap. 7)
Reizdiskrimination
Unterscheidung Àhnlicher Reize. (Kap. 5)
Reizgeneralisierung
Àhnliche Reize lösen Àhnliche Reaktion aus. (Kap. 5)
Rogers, Carl
humanistische Psychologie, Kongruenz/bedingungslose Akzeptanz/Empathie. (Kap. 8)
Rorschach-Test
Tintenklecks-Deutung. (Kap. 8)
Rotter, Julian
soziale Lerntheorie, KontrollĂŒberzeugungen. (Kap. 8)
RĂŒckschaufehler (Hindsight Bias)
im Nachhinein "habe ich's ja gewusst". (Kap. 3)
Ruhepotenzial
Membranpotenzial im Ruhezustand (~−70 mV). (Kap. 4)
Saltatorische Erregungsleitung
schnelle Erregungsweiterleitung von SchnĂŒrring zu SchnĂŒrring. (Kap. 4)
Schemata
mentale Strukturen. (Kap. 6, 7)
Schwann-Zellen
Gliazellen im PNS, bilden Myelin. (Kap. 4)

Selbstwirksamkeit (Bandura) – Überzeugung, eine Aufgabe meistern zu können. (Kap. 8)

Selection Bias
Verzerrung durch nicht-zufÀllige Auswahl. (Kap. 3)
Semantisches GedÀchtnis
Faktenwissen. (Kap. 5)
Semantisches Priming
inhaltliche VerknĂŒpfung zwischen Prime und Target. (Kap. 7)
Sensitivierung
VerstÀrkung der Reaktion auf einen Reiz. (Kap. 5)
Sensorischer Speicher
sehr kurzlebige, ungefilterte Aufnahme aller SinneseindrĂŒcke. (Kap. 5)
Serieller Positionseffekt
bessere Erinnerung am Anfang (Primacy) und Ende (Recency) einer Liste. (Kap. 5)
Sherif-Ferienlagerexperiment
Intergruppenkonflikte durch Konkurrenz, Befriedung durch gemeinsame Ziele. (Kap. 7)
Signalentdeckungstheorie
Wahrnehmung = SensitivitÀt + Entscheidungsprozess. (Kap. 5)
Situative Faktoren
Umweltfaktoren, die auf das Individuum einwirken. (Kap. 1)
Skalenniveaus
Nominal < Ordinal < Intervall < VerhÀltnis. (Kap. 3)
Skinner-Box
Apparat zur Untersuchung operanter Konditionierung. (Kap. 5)
Soma
Zellkörper des Neurons. (Kap. 4)
Soziale Erleichterung
Leistungssteigerung in Anwesenheit anderer (bei einfachen Aufgaben). (Kap. 7)
Soziale ErwĂŒnschtheit
Antworttendenz, sozial akzeptable Antworten zu geben. (Kap. 8)
Soziale Hemmung
Leistungsverschlechterung in Anwesenheit anderer (bei schwierigen Aufgaben). (Kap. 7)

Soziale IdentitĂ€t (Tajfel & Turner) – Selbstbild ĂŒber Gruppenzugehörigkeit. (Kap. 7)

Soziale Kognition
mentale Prozesse zur Verarbeitung sozialer Information. (Kap. 7)
Soziale-Austausch-Theorie
Helfen als Kosten-Nutzen-KalkĂŒl. (Kap. 7)
Spinalnerven
Nerven des RĂŒckenmarks. (Kap. 4)
Spontanremission
Wiederauftreten einer gelöschten Reaktion. (Kap. 5)
StÀbchen
Photorezeptoren fĂŒr DĂ€mmerlicht. (Kap. 4)
Standardabweichung (SD)
Wurzel aus der Varianz. (Kap. 3)
State (Zustand)
vorĂŒbergehender psychischer Zustand. (Kap. 8)
Stereotyp
sozial geteilte Überzeugung ĂŒber Gruppenmitglieder (kognitiv). (Kap. 7)
Stichprobe
Teilmenge der Population. (Kap. 3)
Stimulus-Onset-Asynchrony (SOA)
Zeit zwischen Hinweis- und Zielreiz. (Kap. 5)
Störvariable
beeinflusst AV neben der UV. (Kap. 3)
Strukturalismus
Schule, die Struktur des Geistes erforscht (Wundt, Titchener). (Kap. 2)
Substantia nigra
dopaminproduzierende Region; bei Parkinson geschÀdigt. (Kap. 4)
Sympathikus / Parasympathikus
Aktivierung / Beruhigung. (Kap. 4)
Synapse
Verbindung zwischen Neuronen; elektrisch oder chemisch. (Kap. 4)
Tajfel, Henri
Minimalgruppenparadigma, soziale IdentitÀtstheorie. (Kap. 7)
Teratogene
schĂ€dliche prĂ€natale UmwelteinflĂŒsse. (Kap. 6)
Temporallappen
Hören, SprachverstÀndnis (Wernicke). (Kap. 4)
Thalamus
Sammelstelle der Sinne (außer Geruch). (Kap. 4)
Theorie
Aussagensystem zur ErklÀrung von PhÀnomenen. (Kap. 3)
Theorie der sozialen IdentitÀt
Tajfel & Turner; siehe Ingroup/Outgroup. (Kap. 7)
Theory of Mind
FÀhigkeit, anderen mentale ZustÀnde zuzuschreiben. (Kap. 6)
Thorndike, Edward
Gesetz des Effekts, ProblemkÀfig. (Kap. 2, 5)
Tiefenpsychologie
Sammelbegriff fĂŒr psychoanalytisch-orientierte Schulen. (Kap. 2)
TOTE-Modell
Miller: Test-Operation-Test-Exit. (Kap. 2)
Trait
stabiles Persönlichkeitsmerkmal. (Kap. 8)
Transduktion
Umwandlung von Lichtenergie in neuronales Signal (Photorezeptoren). (Kap. 4)
Über-Ich
moralische Instanz bei Freud. (Kap. 2, 8)
UnabhÀngige Variable (UV)
wird im Experiment manipuliert. (Kap. 3)
Unaufmerksamkeitsblindheit
wir ĂŒbersehen, worauf wir nicht achten (Gorilla-Experiment). (Kap. 5)
Unbewusstes
psychische Inhalte, die der bewussten Reflexion nicht zugÀnglich sind. (Kap. 2, 8)
ValiditÀt
HauptgĂŒtekriterium: misst das Instrument das, was es soll? (Kap. 3, 8)
Variable
operationalisiertes Merkmal. (Kap. 3)
Varianz
mittlere quadrierte Abweichung vom Mittelwert. (Kap. 3)
Verantwortungsdiffusion
Verantwortung verteilt sich auf viele → niemand handelt. (Kap. 7)
Vergessenskurve
Ebbinghaus' Befund zum schnellen Vergessen. (Kap. 5)

Verhaltenspotenzial (Rotter) – Wahrscheinlichkeit eines Verhaltens in einer Situation. (Kap. 5, 8)

VerhÀltnisskala
höchstes Skalenniveau (mit natĂŒrlichem Nullpunkt). (Kap. 3)
Vergleichende Psychologie
Vergleich verschiedener Spezies. (Kap. 4)
Verstehende Psychologie
Dilthey; geisteswissenschaftlich. (Kap. 2)
Visuelle Klippe
Test der frĂŒhen Tiefenwahrnehmung (Gibson & Walk). (Kap. 6)
Visuell-rÀumlicher Notizblock
Subsystem des ArbeitsgedĂ€chtnisses fĂŒr visuelle Info. (Kap. 5)
Vorurteil
emotionale Komponente der Voreingenommenheit gegenĂŒber Gruppen. (Kap. 7)
Watson, John B.
BegrĂŒnder des Behaviorismus; Little-Albert-Experiment. (Kap. 2, 5)
Wernicke-Areal
Hirnregion fĂŒr SprachverstĂ€ndnis (Temporallappen). (Kap. 4)
Within-Subjects-Design
alle Versuchspersonen durchlaufen alle Bedingungen. (Kap. 3)
Wundt, Wilhelm
BegrĂŒnder der wissenschaftlichen Psychologie (1879). (Kap. 2)
WĂŒrzburger Schule
Denkpsychologie unter KĂŒlpe. (Kap. 2)
Zapfen
Photorezeptoren fĂŒr Farbsehen und scharfes Sehen. (Kap. 4)
Zentrale Exekutive
Kontrollkomponente des ArbeitsgedÀchtnisses. (Kap. 5)

Zentrale Route (ELM) – kritisch-systematische Verarbeitung. (Kap. 7)

Zentrales Nervensystem (ZNS)
Gehirn + RĂŒckenmark. (Kap. 4)
ZirbeldrĂŒse
bei Descartes vermutete Verbindung Körper-Geist. (Kap. 2)
Zufallsstichprobe
jede Person der Population hat die gleiche Chance. (Kap. 3)
Zwei-Prozess-Modelle
automatische vs. kontrollierte Denkprozesse. (Kap. 7)
Zwillingsstudien
eineiige/zweieiige Zwillinge zur Trennung von Anlage/Umwelt. (Kap. 8)
Zygote
befruchtete Eizelle. (Kap. 6)

TEIL 8 – Finaler KurzĂŒberblick


1. Was Psychologie grundsÀtzlich untersucht

Psychologie ist die Wissenschaft vom Erleben und Verhalten des Menschen, einschließlich seiner kognitiven Prozesse (Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, GedĂ€chtnis, Denken, Problemlösen). Sie fragt: Wie nehmen Menschen wahr? Wie lernen, erinnern und entscheiden sie? Wie reagieren sie auf andere Menschen? Warum unterscheiden sich Menschen dabei?

Psychologie verfolgt vier Ziele: Beschreiben → ErklĂ€ren → Vorhersagen → VerĂ€ndern. Sie betrachtet PhĂ€nomene multiperspektivisch: Ein und dasselbe PhĂ€nomen (z. B. Angst) wird biologisch (Amygdala-Aktivierung), allgemeinpsychologisch (Konditionierung), entwicklungspsychologisch (frĂŒhkindliche Erfahrungen), sozialpsychologisch (situativer Druck) und differentiell (Trait-Angst) analysiert – nicht widersprechend, sondern ergĂ€nzend (eklektischer Ansatz).

Zwei ErklĂ€rungsebenen durchziehen das gesamte Fach: dispositionale Faktoren (stabile Personenmerkmale: Gene, Persönlichkeit, FĂ€higkeiten) und situative Faktoren (UmwelteinflĂŒsse: soziale Normen, Anwesenheit anderer, Kontext). Verschiedene Teilbereiche der Psychologie gewichten diese unterschiedlich.


2. Die wichtigsten Teilbereiche der Psychologie

MethodenfĂ€cher (Werkzeug der Psychologie): Methodenlehre, Statistik, Wissenschaftstheorie, Ethik – sie liefern die Grundlage fĂŒr alle anderen Bereiche.

GrundlagenfÀcher (Grundlagenforschung):

FachLeitfrageFokus
Biologische PsychologieWie ist es im Körper/Gehirn verankert?Neuronen, Gehirn, Nervensystem
Allgemeine PsychologieWelche Prozesse teilen alle Menschen?Wahrnehmung, Lernen, GedÀchtnis
EntwicklungspsychologieWie entsteht und verĂ€ndert es sich?VerĂ€nderung ĂŒber die Lebensspanne
SozialpsychologieWie wirkt das soziale Umfeld?Gruppe, Situation, sozialer Einfluss
Differentielle/PersönlichkeitspsychologieWo gibt es individuelle Unterschiede?Traits, Persönlichkeitsstruktur

AnwendungsfÀcher (Praxis): Klinische, PÀdagogische, Arbeits- und Organisationspsychologie (AOW), Gesundheitspsychologie, Psychologische Diagnostik. Sie nutzen Grundlagenwissen und forschen auch selbst (z. B. Therapieevaluation).

Wichtig: Die Aufteilung ist ein Ordnungssystem, kein Naturgesetz. PhĂ€nomene wie Wahrnehmung, Lernen oder GedĂ€chtnis tauchen in mehreren Teilbereichen auf – jedes Mal aus einer anderen Perspektive.


3. Historische Entwicklung der Psychologie in Kurzform

Psychologie entstammt der Philosophie (Platon, Aristoteles, Descartes) und der Naturwissenschaft des 19. Jahrhunderts (Helmholtz, Fechner). Das entscheidende Datum: 1879 grĂŒndete Wilhelm Wundt in Leipzig das erste psychologische Labor – Geburtsstunde der wissenschaftlichen Psychologie.

Wichtigste Paradigmenwechsel in chronologischer Reihenfolge:

  • Strukturalismus (Wundt, Titchener): Was besteht der Geist aus? Methode: Introspektion.
  • Funktionalismus (William James): Wozu dienen mentale ZustĂ€nde? Adaptation im Vordergrund.
  • Behaviorismus (Watson, Pawlow, Skinner): Nur beobachtbares Verhalten zĂ€hlt; mentale Prozesse = „Black Box".
  • Gestaltpsychologie (Wertheimer, Köhler, Koffka, Lewin): Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile; Gestaltgesetze.
  • Tiefenpsychologie (Freud, Adler, Jung): Unbewusstes, Kindheitserfahrungen, Triebe prĂ€gen Verhalten.
  • Kognitive Wende (ab 1970er Jahre): Black Box öffnet sich; der Mensch als Informationsverarbeiter (Broadbent, Miller); heute dominierendes Paradigma.

SchlĂŒsselpersonen und ihr wichtigster Beitrag:

PersonBeitrag
GalenVier Temperamente (Sanguiniker, Phlegmatiker, Choleriker, Melancholiker)
DescartesRationalismus, Dualismus, „cogito ergo sum"
FechnerPsychophysik (Reiz–Empfindungs-Beziehung)
WundtErstes psychologisches Labor (1879), Strukturalismus
JamesFunktionalismus, amerikanische Psychologie
EbbinghausExperimentelle GedÀchtnisforschung, Vergessenskurve
PawlowKlassische Konditionierung (Reflexologie)
WatsonBehaviorismus, Little-Albert-Experiment
FreudPsychoanalyse, Es/Ich/Über-Ich, Unbewusstes
Wertheimer/Köhler/LewinGestaltpsychologie, Feldtheorie
BanduraBeobachtungslernen, Selbstwirksamkeit
PiagetKognitive Entwicklungstheorie

4. Warum Methodenlehre zentral ist

Ohne saubere Methodik sind keine gĂŒltigen psychologischen Aussagen möglich. Die Methodenlehre ist das Fundament, auf dem alle inhaltlichen Kapitel aufbauen.

Das Wichtigste in KĂŒrze:

  • Hypothesen mĂŒssen prĂ€zise, widerspruchsfrei, prinzipiell widerlegbar (Popper), operationalisierbar und begrĂŒndbar sein.
  • UV (unabhĂ€ngige Variable) = wird manipuliert (Ursache); AV (abhĂ€ngige Variable) = wird gemessen (Wirkung).
  • Das Experiment ist die einzige Methode, die echte KausalschlĂŒsse erlaubt – durch systematische UV-Manipulation und Kontrolle von Störvariablen. Wichtigste Kontrollmethode: Randomisierung.
  • Korrelation ≠ KausalitĂ€t. FĂŒr Kausalschluss braucht es: (1) Kovariation, (2) zeitliche Abfolge, (3) Ausschluss von AlternativerklĂ€rungen.
  • Quasi-Experiment = kein echtes Experiment, weil Randomisierung fehlt (z. B. wenn UV nicht manipulierbar ist).
  • Konfundierung: Störvariable kovariiert mit UV und AV → macht Kausalschluss unmöglich.
  • Skalenniveaus (aufsteigend): Nominal (Gleichheit/Verschiedenheit) < Ordinal (Rangordnung) < Intervall (gleiche AbstĂ€nde) < VerhĂ€ltnis (natĂŒrlicher Nullpunkt). Das Skalenniveau bestimmt, welche statistischen Verfahren zulĂ€ssig sind.
  • Drei HauptgĂŒtekriterien: ObjektivitĂ€t (unabhĂ€ngig vom Versuchsleiter), ReliabilitĂ€t (Messgenauigkeit, ZuverlĂ€ssigkeit), ValiditĂ€t (misst, was es messen soll). ReliabilitĂ€t ist notwendig, aber nicht hinreichend fĂŒr ValiditĂ€t.
  • Deskriptive Statistik: Modalwert (alle Skalen), Median (ab Ordinal, robust gegen Ausreißer), Arithmetisches Mittel (ab Intervall, empfindlich fĂŒr Ausreißer), Standardabweichung, Korrelationskoeffizient r (−1 bis +1, nur lineare ZusammenhĂ€nge).
  • Interne ValiditĂ€t (Kausalschluss möglich?) vs. externe ValiditĂ€t (Generalisierbarkeit?) stehen oft im Trade-off: Labor = hohe interne, niedrigere externe ValiditĂ€t; Feld = umgekehrt.

5. Biologische Grundlagen in Kurzform

Neuron – Grundbaustein des Nervensystems:

  • Aufbau: Soma (Zellkörper) → Dendriten (Empfang) → Axon (Weiterleitung) → Synapsenendknöpfchen (Senden)
  • Gliazellen unterstĂŒtzen: Astrozyten (Blut-Hirn-Schranke), Oligodendrozyten (Myelin im ZNS), Schwann-Zellen (Myelin im PNS)
  • Myelin ermöglicht saltatorische Erregungsleitung (Sprung von Ranvier-SchnĂŒrring zu Ranvier-SchnĂŒrring) → schnelle Übertragung. Bei Multiple Sklerose: Demyelinisierung im ZNS.

Aktionspotenzial:

Ruhepotenzial (−70 mV) → Schwellenwert (−55 mV) ĂŒberschritten → Depolarisation → Overshoot (+50 mV) → Repolarisation → Hyperpolarisation → RĂŒckkehr zum Ruhepotenzial.

Alles-oder-Nichts-Gesetz: entweder volle Auslösung oder gar keine.

Synaptische Übertragung:

Meist chemisch: Aktionspotenzial → Calciumeinstrom → Vesikel verschmelzen → Neurotransmitter in Spalt → Bindung an Rezeptor (SchlĂŒssel-Schloss) → De- oder Hyperpolarisation der Postsynapse.

Glutamat = wichtigster exzitatorischer NT; GABA = wichtigster inhibitorischer NT.

Nervensystem:

ZNS (Gehirn + RĂŒckenmark) | PNS (somatisch + autonom: Sympathikus/Parasympathikus)

Gehirn – vier Lappen des cerebralen Cortex:

LappenHauptfunktionen
FrontallappenPlanung, Impulskontrolle, Sozialverhalten, Sprachproduktion (Broca-Areal), Bewegung
ParietallappenTastsinn, Sensumotorik, rÀumliche Verarbeitung
TemporallappenHören, SprachverstÀndnis (Wernicke-Areal), GedÀchtnis (Hippocampus innen)
OkzipitallappenSehen, primÀrer visueller Cortex (V1)

Thalamus = Verteiler aller Sinne (außer Geruch). Hypothalamus = Hunger, Schlaf, SexualitĂ€t, Hormone. Cerebellum = Motorik, Koordination. Medulla oblongata = Atmung, Herzschlag.

Visuelles System: Licht → Cornea → Linse → Retina (StĂ€bchen: DĂ€mmerung; Zapfen: Farbe/SchĂ€rfe; Fovea = schĂ€rfstes Sehen) → Sehnerv → Chiasma opticum (nasale Fasern kreuzen) → CGL im Thalamus → V1.

Kontralaterale Verschaltung: linkes Gesichtsfeld → rechte GehirnhĂ€lfte.

Klassische FĂ€lle:

  • Phineas Gage (Frontallappen) → PersönlichkeitsverĂ€nderung, ImpulsivitĂ€t
  • Patient Tan (Broca-Areal) → nur „tan" sagen = Sprachproduktionsausfall
  • Broca-Areal ≠ Wernicke-Areal: Produktion ≠ VerstĂ€ndnis

6. Wahrnehmung, Lernen und GedÀchtnis in Kurzform

Wahrnehmung:

Drei Stufen: (1) sensorische Empfindung, (2) Perzept (mentales Abbild), (3) Klassifikation.

Psychophysik (Fechner): Absolutschwelle (50 %-Wahrnehmungsschwelle), Unterschiedsschwelle.

Aufmerksamkeit: endogen (innengesteuert, ab ~200 ms SOA wirksam) vs. exogen (außengesteuert, ab ~50 ms). Unaufmerksamkeitsblindheit: Gorilla-Experiment (Simons & Chabris).

Visueller Verarbeitungspfad: ventraler Pfad (Temporallappen) = „Was"; dorsaler Pfad (Parietallappen) = „Wo/Wie".

Tiefenwahrnehmung: monokulare Hinweise (Linienperspektive, Verdeckung) vs. binokulare Hinweise (Querdisparation, Konvergenz).

Lernen:

LernformBegrĂŒnderPrinzipSchlĂŒsselbegriffe
Habituation/Sensitivierung–Nicht-assoziativGewöhnung, VerstĂ€rkung der Reaktion
Klassische KonditionierungPawlow, WatsonNS + UCS → CS → CRUCS, UCR, CS, CR, Extinktion, Generalisierung
Operante KonditionierungThorndike, SkinnerKonsequenzen steuern Verhaltenpositive/negative VerstÀrkung/Bestrafung, Skinner-Box
BeobachtungslernenBanduraLernen durch BeobachtungModell, Bobo-Doll, Imitation, ohne direkte VerstÀrkung

GedÀchtnis:

Drei Prozesse: Enkodierung → Speicherung → Abruf.

Drei-Speicher-Modell (Atkinson & Shiffrin): sensorisch (große KapazitĂ€t, <1 Sek.) → Kurzzeitspeicher (7±2 Einheiten, ~30 Sek.) → Langzeitspeicher (nahezu unbegrenzt).

ArbeitsgedÀchtnis (Baddeley): zentrale Exekutive + phonologische Schleife + visuell-rÀumlicher Notizblock + episodischer Puffer (2000 ergÀnzt).

LangzeitgedÀchtnis: explizit/deklarativ (semantisch = Faktenwissen; episodisch = persönliche Erlebnisse) vs. implizit/non-deklarativ (prozedural, Priming, Konditionierung).

Patient H.M.: Hippocampus entfernt → schwere anterograde Amnesie (kein neues explizites GedĂ€chtnis), aber prozedurales Lernen erhalten → Beweis getrennter GedĂ€chtnissysteme.

GedĂ€chtniseffekte: Primacy (Anfang → LZG), Recency (Ende → KZG), Vergessenskurve (Ebbinghaus: rapides Vergessen in den ersten Stunden), proaktive Interferenz (Alt stört Neu), retroaktive Interferenz (Neu stört Alt), EnkodierspezifitĂ€t (Abruf besser bei Ă€hnlichem Kontext).


7. Entwicklung ĂŒber die Lebensspanne

PrĂ€natale Entwicklung: germinales Stadium (bis ~2. Woche) → embryonales Stadium (3.–8. Woche, erster Herzschlag) → fötales Stadium (9. Woche bis Geburt). Teratogene (Alkohol, Drogen, Strahlung) schĂ€digen besonders in sensiblen Phasen. Nach der Geburt: synaptic pruning (nicht benötigte Verbindungen werden abgebaut).

Kognitive Entwicklung (Piaget):

Konstruktivistisch: Kinder konstruieren Wissen selbst durch Assimilation (einordnen) und Akkommodation (anpassen).

StadiumAlterSchlĂŒsselkonzept
Sensomotorisch0–2 J.Objektpermanenz
PrĂ€operatorisch2–7 J.Egozentrismus, kein Invarianzprinzip
Konkret-operatorisch7–11 J.Invarianzprinzip, ReversibilitĂ€t
Formal-operatorischab 11 J.Abstraktes, hypothetisches Denken

Baillargeon: Objektpermanenz bereits ab 3,5 Monaten nachweisbar (Piaget unterschÀtzte Kinder).

Theory of Mind: FÀhigkeit, anderen mentale ZustÀnde zuzuschreiben. Entwickelt sich ab ~4 Jahren. Messung: False-Belief-Aufgabe/Maxi-Aufgabe (Wimmer & Perner).

Moralische Entwicklung (Kohlberg):

NiveauStufenOrientierung
PrĂ€konventionell1: Strafe/Gehorsam; 2: EigennutzFolgen fĂŒr sich selbst
Konventionell3: zwischenmenschl. Erwartungen; 4: Gesetz/OrdnungGruppe, Gesellschaft
Postkonventionell5: sozialer Kontrakt; 6: universelle PrinzipienÜbergeordnete Ethik

Nicht die Entscheidung, sondern die BegrĂŒndung zĂ€hlt fĂŒr die Stufenzuordnung.

Bindungstheorie (Bowlby/Ainsworth): Fremde-Situation-Experiment → vier Bindungstypen: A (unsicher-vermeidend), B (sicher – einziger sicherer Typ), C (unsicher-ambivalent), D (unsicher-desorganisiert, oft nach Traumatisierung).

Psychosoziale Entwicklung (Erikson): 8 Stufen mit je einer Krise ĂŒber die gesamte Lebensspanne. Wichtigste fĂŒr die PrĂŒfung: Adoleszenz = IdentitĂ€t vs. Rollenkonfusion. Marcia entwickelte daraus vier IdentitĂ€tsstatus: diffus (keine Auseinandersetzung), ĂŒbernommen (unreflektiert), kritisch/Moratorium (Exploration lĂ€uft), erarbeitet (Krise durchgestanden, stabile IdentitĂ€t).


8. Soziale EinflĂŒsse auf Denken und Verhalten

Sozialpsychologie betont: Situation > Disposition – normale Menschen können in bestimmten Situationen Außerordentliches oder Erschreckendes tun.

Klassische Experimente:

ExperimentForscherBefund
LinienvergleichAsch~33 % schließen sich der falschen Mehrheit an → KonformitĂ€t
ElektroschocksMilgram65 % bis 450 V → Gehorsam gegenĂŒber AutoritĂ€t
FerienlagerSherifKonkurrenz → Konflikte; gemeinsame Ziele → Kooperation
MinimalgruppenTajfelWillkĂŒrliche Gruppenbildung reicht fĂŒr Ingroup-Bevorzugung
BystanderLatané & DarleyJe mehr Anwesende, desto weniger Hilfe (Verantwortungsdiffusion)

KonformitÀt entsteht durch: normativen Einfluss (nicht auffallen wollen) oder informationalen Einfluss (andere als Informationsquelle nutzen, bes. in mehrdeutigen Situationen). Minderheiten brauchen vor allem Konsistenz, um Einfluss zu gewinnen (Moscovici).

Stereotyp (kognitiv: Überzeugungen ĂŒber Gruppe) → Vorurteil (affektiv: GefĂŒhle) → Diskriminierung (Verhalten: ungerechtfertigte Benachteiligung). Tajfels Theorie der sozialen IdentitĂ€t erklĂ€rt, warum Gruppenbildung allein fĂŒr Diskriminierung ausreicht.

Prosoziales Verhalten: Empathie-Altruismus-Hypothese (Toi & Batson): bei hoher Empathie echter Altruismus möglich. Soziale-Austausch-Theorie (Homans): Helfen ist immer Kosten-Nutzen-KalkĂŒl. Bystander-Effekt: Verantwortungsdiffusion + pluralistische Ignoranz + Bewertungsangst.

Zwei-Prozess-Modelle:

  • ELM (Petty & Cacioppo): zentrale Route (hohe Motivation + KapazitĂ€t → kritische Verarbeitung) vs. periphere Route (Heuristiken, oberflĂ€chlich) bei EinstellungsĂ€nderung.
  • RIM (Strack & Deutsch): reflektives System (bewusst, langsam) vs. impulsives System (assoziativ, schnell) bei Verhalten.

Soziale Kognition: Schemata, Priming (positiv/negativ; semantisch/affektiv), Skripte, Prototypen, assoziative Netzwerke – diese Strukturen steuern, wie soziale Information aufgenommen und bewertet wird, oft unbewusst.


9. Persönlichkeit und Diagnostik

Persönlichkeit = Gesamtheit stabiler Eigenschaften, die eine Person typisieren. Zentraler Unterschied: Trait (stabil, situationsĂŒbergreifend, z. B. allgemeine Ängstlichkeit) vs. State (vorĂŒbergehend, situationsspezifisch, z. B. PrĂŒfungsangst gerade jetzt).

Persönlichkeitstheorien im Überblick:

AnsatzHauptvertreterKernideeWissenschaftlicher Status
Trait-TheorienGalen → Eysenck → Big FiveStabile Eigenschaften (OCEAN)Hoch (dominierend)
PsychodynamischFreudEs/Ich/Über-Ich, UnbewusstesGering wissenschaftlich, historisch bedeutend
HumanistischRogers, Maslow, BĂŒhlerSelbstverwirklichung, WachstumMittel (therapeutisch wichtig)
Sozial-kognitivRotter, Bandura, Mischel, KellyErwartung × Wert, SelbstwirksamkeitHoch
Big Five (OCEAN)
heute dominierendes Modell:

Offenheit fĂŒr Erfahrungen – Gewissenhaftigkeit (Conscientiousness) – Extraversion – VertrĂ€glichkeit (Agreeableness) – Neurotizismus. Lexikalisch abgeleitet (Goldberg). Erfasst mit NEO-PI-R (240 Items, 30 Facetten). HEXACO ergĂ€nzt sechste Dimension: Honesty-Humility.

Maslow-BedĂŒrfnispyramide (von unten nach oben): Physiologische BedĂŒrfnisse → Sicherheit → Zugehörigkeit/Liebe → Achtung → Selbstverwirklichung. Höhere BedĂŒrfnisse erst nach Befriedigung tieferer.

Rogers' drei Therapeutenmerkmale: Kongruenz (Echtheit) – bedingungslose Akzeptanz – Empathie. Immer zusammen merken.

Rotter: Verhaltenspotenzial = f(Erwartung × VerstĂ€rkungswert). KontrollĂŒberzeugungen: internal (Ereignisse als Folge eigenen Handelns) vs. external (Außenfaktoren bestimmen Ereignisse).

Persönlichkeitsdiagnostik – Datenarten nach Cattell:

L-Daten (Leben/Biographie) – Q-Daten (Selbstberichte/Fragebögen) – T-Daten (objektive Tests, Messziel verborgen).

Verfahren im Vergleich:

VerfahrenDatenartStÀrkenSchwÀchenBeispiele
PersönlichkeitsfragebögenQökonomisch, Normwertesoziale ErwĂŒnschtheit, verfĂ€lschbarNEO-PI-R, MMPI-2, FPI-R
VerhaltensbeobachtungLnaturalistischaufwÀndig, BeobachterfehlerFeld-/Laborbeobachtung
Objektive Tests (OPT)Tschwer verfĂ€lschbaroft niedrige ReliabilitĂ€tIAT, computergestĂŒtzt
Projektive Tests(Q)tiefenpsycholog. Zugangmangelnde GĂŒtekriterienRorschach, TAT, Baum-Test

IAT (Greenwald): misst implizite Einstellungen ĂŒber Reaktionszeiten. Schwer zu fĂ€lschen, aber ReliabilitĂ€t oft gering.


10. Die wichtigsten Querverbindungen zwischen den Kapiteln

Psychologie ist kein Sammelsurium unverbundener Fakten. Die folgenden Verbindungen zeigen, wie die Kapitel zusammenhÀngen:

Biologie → Allgemeine Psychologie: Das visuelle System (Kap. 4: Sehbahn, V1) ist die physiologische Grundlage der Wahrnehmung (Kap. 5: Wahrnehmungsstufen, Tiefenwahrnehmung). Ohne Kap. 4 kein vollstĂ€ndiges VerstĂ€ndnis von Kap. 5.

Geschichte → Inhaltliche Kapitel: Die Schulen aus Kap. 2 sind die VorlĂ€ufer der inhaltlichen Theorien: Behaviorismus (Kap. 2) → Lerntheorien (Kap. 5); Galen → Eysenck → Big Five (Kap. 8); kognitive Wende (Kap. 2) → GedĂ€chtnismodelle, Wahrnehmungspsychologie (Kap. 5).

Methodenlehre → alle anderen Kapitel: Jedes Experiment, jeder Test, jede Studie in Kap. 4–8 setzt die Begriffe aus Kap. 3 voraus (UV/AV, GĂŒtekriterien, Skalenniveaus, KausalitĂ€t vs. Korrelation).

Entwicklung → Persönlichkeit: Bindungserfahrungen (Kap. 6) beeinflussen spĂ€tere Persönlichkeitsentwicklung und Emotionsregulation (Kap. 8). Piagets Schemata (Kap. 6) entsprechen den sozialen Schemata und Stereotypen der Sozialpsychologie (Kap. 7).

Lernen → Persönlichkeit: Banduras Beobachtungslernen (Kap. 5) ist auch Persönlichkeitstheorie: Selbstwirksamkeit (Kap. 8). Rotters Verhaltenspotenzial verbindet Lernpsychologie mit Persönlichkeit.

Sozialpsychologie ↔ Persönlichkeitspsychologie: Beide erklĂ€ren Verhalten, aber aus entgegengesetzten Perspektiven. Sozialpsychologie betont situative Faktoren (Milgram, Asch); Persönlichkeitspsychologie betont dispositionale Faktoren (Traits). Das Spanungsfeld zwischen beiden ist ein Kernthema.

Ethik als roter Faden: APA-GrundsĂ€tze (Kap. 1) → Forschungsethik (Kap. 3) → ethisch nicht mehr zulĂ€ssige Studien (Little-Albert, Kap. 5; Milgram, Kap. 7). Das Wissen um historische ethische Fehler gehört zur wissenschaftlichen Reife.

Kernformel: Verhalten = f(Biologie × allgemeine Prozesse × Entwicklung × sozialem Kontext × Persönlichkeit), gemessen mit validen Methoden.


11. Was fĂŒr die PrĂŒfung besonders sicher beherrscht werden muss

Auswendig und fehlerfrei – diese Listen mĂŒssen sitzen:

  • Big Five (OCEAN): Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, VertrĂ€glichkeit, Neurotizismus – mit Bedeutung jeder Dimension
  • Vier Skalenniveaus: Nominal, Ordinal, Intervall, VerhĂ€ltnis – mit Beispielen und zulĂ€ssigen statistischen Maßen
  • Piagets vier Stadien: sensomotorisch, prĂ€operatorisch, konkret-operatorisch, formal-operatorisch – mit Altersangabe und SchlĂŒsselkonzept
  • Eriksons acht Krisen: alle acht in Reihenfolge, besonders Adoleszenz (IdentitĂ€t vs. Rollenkonfusion)
  • Vier Bindungstypen A/B/C/D: Name, typisches Verhalten, welcher ist sicher
  • Kohlbergs drei Niveaus × zwei Stufen: Inhalte und dass die BegrĂŒndung, nicht die Entscheidung zĂ€hlt
  • Vier Hirnlappen + Broca/Wernicke: Funktion, Lage, klassische FĂ€lle
  • Aktionspotenzial: alle Phasen in Reihenfolge, Ruhepotenzial (−70 mV), Schwellenwert (−55 mV), Alles-oder-Nichts-Gesetz
  • Operante Konditionierung – 2×2-Tabelle: positiv/negativ × VerstĂ€rkung/Bestrafung mit je einem Beispiel
  • ArbeitsgedĂ€chtnis-Komponenten: zentrale Exekutive, phonologische Schleife, visuell-rĂ€umlicher Notizblock, episodischer Puffer
  • APA-EthikgrundsĂ€tze: alle fĂŒnf
  • Maslow-Pyramide: alle fĂŒnf Stufen von unten nach oben

Verstehen und auf Beispiele anwenden:

  • Korrelation ≠ KausalitĂ€t: drei Bedingungen fĂŒr Kausalschluss benennen und in Szenarien anwenden
  • Assimilation vs. Akkommodation: eigene Beispiele finden
  • Dispositionale vs. situative Faktoren: in Fallbeispielen zuordnen
  • Positive/negative VerstĂ€rkung/Bestrafung: bei einem konkreten Beispiel korrekt zuordnen (hĂ€ufigste Fehlerquelle!)
  • Bystander-Effekt: drei Mechanismen erklĂ€ren
  • Stereotyp, Vorurteil, Diskriminierung: drei Komponenten mit Beispiel
  • Interne vs. externe ValiditĂ€t: in einer Studiendesign-Frage abwĂ€gen
  • Trait vs. State: am Beispiel Angst (Spielberger) erklĂ€ren
  • Primacy-/Recency-Effekt: mit GedĂ€chtnisspeichern erklĂ€ren

Verwechslungsgefahren – diese Paare sind typische Fehlerquellen:

VerwechslungRichtig
Fechner vs. WundtFechner = Wegbereiter (Psychophysik); Wundt = BegrĂŒnder wiss. Psychologie (Labor 1879)
Watson vs. PawlowBeide: klassische Konditionierung; Watson = USA, Behaviorismus, Mensch; Pawlow = Russland, Reflexologie, Hunde
Thorndike vs. SkinnerThorndike = Gesetz des Effekts, VorlÀufer; Skinner = operante Konditionierung, Skinner-Box
Freud vs. Adler vs. JungAlle Tiefenpsychologie; Freud = Sexualtrieb; Adler = Geltungsstreben; Jung = kollektives Unbewusstes
Asch vs. MilgramAsch = KonformitÀt (LinienlÀngen); Milgram = Gehorsam (Elektroschocks)
Sherif vs. TajfelSherif = Konkurrenz/Kooperation, echte Gruppen; Tajfel = Minimalbedingungen reichen fĂŒr Diskriminierung
Broca vs. WernickeBroca = Sprachproduktion (Frontallappen); Wernicke = SprachverstÀndnis (Temporallappen)
Drei-Speicher vs. ArbeitsgedÀchtnisAtkinson/Shiffrin = Drei-Speicher-Modell; Baddeley = ArbeitsgedÀchtnismodell (Weiterentwicklung des KZG)
Piaget-Alter vs. BaillargeonPiaget: Objektpermanenz ab 8 Monaten; Baillargeon: schon ab 3,5 Monaten
Bowlby vs. AinsworthBowlby = Bindungstheorie (Konzept); Ainsworth = Fremde-Situation (Messmethode, vier Typen)
Galen vs. HippokratesHippokrates = Vier-SĂ€fte-Lehre (medizinisch); Galen = Temperamentenlehre (psychologisch) – Galen baute auf Hippokrates auf
Normativer vs. informationaler EinflussNormativ = nicht auffallen (soziale KonformitÀt); informational = andere als Wissensquelle (Unsicherheitsreduktion)

FĂŒr die letzten Stunden vor der PrĂŒfung – mentale Checkliste:

  1. OCEAN – alle fĂŒnf nennen und erklĂ€ren können? ✓
  2. Piagets Stadien in Reihenfolge mit SchlĂŒsselbegriff? ✓
  3. 2×2-Tabelle operante Konditionierung mit Beispiel? ✓
  4. Drei Bedingungen fĂŒr Kausalschluss? ✓
  5. Vier Lappen + ihre Funktionen + Broca/Wernicke? ✓
  6. Bindungstypen A–D mit Verhalten? ✓
  7. ELM: zentral vs. peripher – wann welche Route? ✓
  8. Bystander-Effekt: drei Mechanismen? ✓
  9. Erikson-Krise Adoleszenz + Marcias vier Status? ✓
  10. Patient H.M.: Was zeigt er ĂŒber das GedĂ€chtnis? ✓